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„Dafür können wir wieder 200 Liter Heizöl kaufen“, sagte Zirkusdirektor Joschi Ortmann und bedankte sich für die finanzielle Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Dr. Kirsten Tackmann (100€ Diätenweitergabe) und des Landtagsabgeordneten Dieter Groß (beide DIE LINKE.).

Die extreme Witterung der letzten Tage hatte dem Zirkus arge Schwierigkeiten bereitet. Durch die Last der Schneemassen war es notwendig das Zelt auch nachts zu beheizen, da es sonst drohte einzustürzen. Auch die tiefen Temperaturen trugen zu einem erhöhten Heizölverbrauch bei.

Die Abgeordneten würden sich freuen, wenn weitere Spenden den Zirkus in der Notlage unterstützen würden. Das geht übrigens auch durch den Besuch einer Vorstellung. Der „Circus Humberto“ gastiert noch bis zum 17. März auf dem Festplatz Bleichwall in Wittstock.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf die Nothilfe gab es Kritik seitens People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) in Deutschland e.V.
Wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung von PETA den Emailverkehr:

Von: Peter Höffken [mailto:peterh@peta.de]
Gesendet: Freitag, 15. März 2013 10:37
An: ‚kontakt@kirsten­-tackmann.de‚; MdB Tackmann Kirsten
Cc: kv@dielinke-opr.de; rv-dielinke-wittstock@gmx.de
Betreff: Kritik bezüglich Ihrer Hilfsaktion für Circus Humberto

Sehr geehrte Frau Dr. Tackmann,

ich schreibe Ihnen im Namen von PETA Deutschland e.V., einer Schwesterorganisation von PETA USA, der weltweit größten Tierrechtsorganisation mit über 3 Millionen Mitgliedern und Unterstützern und  beziehe mich auf einen aktuellen Artikel in der „Märkischen Allgemeinen“, aus dem hervorgeht, dass Ihr Kreisverband dem Circus Humberto finanzielle Unterstützung hat zukommen lassen.

Diese Aktion war sicherlich gut gemeint. Doch anstatt Zirkussen, die exotische Tiere durch Deutschland karren, beim „Überleben“ zu helfen, setzen sich viele „Linke“ Kommunalfraktionen und auch Ihre Kollegen im Bundestag aktiv GEGEN die Haltung von exotischen Tieren im Zirkus ein. Exotische Tiere gehören nicht in einen Wanderzirkus. Vor 2 Jahren brach  Löwin Nala in Neuruppin aus dem Circus Humberto aus. Menschen passierte nichts, aber die Löwin wurde erschossen. Kurzer Bericht dazu auf: http://www.peta.de/web/zwei_loewen_aus.4309.html

Ich bitte Sie und Ihre Kollegen herzlich, sich gegen die Verwendung von exotischen Tieren im Zirkus einzusetzen, anstatt diese zu unterstützen.

Neben PETA spricht sich mittlerweile auch die Bundestierärztekammer für ein Wildtierverbot im reisenden Zirkus aus, ebenso wie die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Drei repräsentativen Umfragen von 2010 und 2011  zufolge finden rund zwei Drittel der Befragten Wildtiere im Zirkus nicht mehr zeitgemäß. 2003 und nochmals Ende November 2011 hat der Bundesrat in zwei Entschließungsanträgen  ein grundsätzliches Verbot von Wildtieren im Zirkus gefordert. Die Bundesregierung hat die Entschließungen bis heute nicht umgesetzt – im Gegensatz zu 14 anderen europäischen Ländern, die bereits sämtliche oder bestimmte Wildtierarten im Zirkus verboten haben.
Bitte nehmen Sie sich kurz die Zeit, sich auf www.peta.de/Zirkus über das Leid von exotischen Tieren im Zirkus zu informieren.
Über eine Antwort würde ich mich freuen. Für Fragen stehe ich gerne unter 07156 17828-18 oder per E-Mail unter PeterH@peta.de zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen


Peter Höffken
– Diplom-Zoologe / Kampagnenleiter Tiere in der Unterhaltungsbranche –

Tel.: +49 (0)7156 17828-18
Fax: +49 (0)7156 17828-10
E-Mail: PeterH@peta.de

PETA Deutschland e.V.
Benzstr. 1
D-70839 Gerlingen

http://www.peta.de/

Eingetragen im Vereinsregister beim Amtsgericht Ludwigsburg, VR 2128

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Von: MdB Tackmann Kirsten [mailto:kirsten.tackmann@bundestag.de]
Gesendet: Dienstag, 19. März 2013 11:07
An: Peter Höffken; ‚kontakt@kirsten­-tackmann.de
Cc: kv@dielinke-opr.de; rv-dielinke-wittstock@gmx.de
Betreff: AW: Kritik bezüglich Ihrer Hilfsaktion für Circus Humberto

Sehr geehrter Herr Höffken,

vielen Dank für Ihre eMail vom vergangenen Freitag, in der Sie meine Hilfsaktion für den Circus Humberto kritisieren. Neben Ihrer hat es auch noch eine weitere kritische eMail gegeben.

Ich bin übrigens seit 2005 Abgeordnete im Bundestag und habe in der vergangenen Wahlperiode als agrarpolitische Sprecherin gemeinsam mit der tierschutzpolitischen Sprecherin meiner Fraktion auch das Thema Wildtiere im Zirkus betreut und auch an der Anhörung im zuständigen Agrarausschuss teilgenommen. Sie können also durchaus davon ausgehen, dass ich mir dieser Problematik sehr bewusst bin. Als Tierärztin und frühere Rettungshundeausbilderin habe ich ohnehin viel Interesse an solchen Fragen.

Ich teile natürlich die kritische Sicht meiner Fraktion auf Haltungsbedingungen von Tieren in  Wanderzirkussen, die sicher generell sehr schwierig mit den berechtigten gesellschaftlichen Ansprüchen an eine tierwohlsichernde Haltung in Übereinstimmung zu bringen sind. Bei nicht-domestizierten Tieren ist das sicher auch bei größten Bemühungen nicht möglich. Deshalb unterstütze ich das Ziel, die Haltung und Zurschaustellung von nicht-domestizierten Tieren (das ist glaube ich der richtigere Begriff) im Zirkus generell und zu allererst im Wanderzirkus zu verbieten. Im aktuell diskutierten Entwurf des Bundestagswahlprogramms der LINKEN heißt es dazu übrigens: „die Haltung von Wildtieren in Zirkussen, Delfinarien und Privathaushalten untersagen.“ Ich weiß, dass manche auch generell eine Verwendung von Tieren im Zirkus sehr kritisch sehen, weil sie die damit verbundene Ausbildung und Zurschaustellung grundsätzlich ablehnen. Das teile ich ehrlich gesagt nicht, auch wenn natürlich Zirkusse bei domestizierten Tierarten keinen Freibrief haben dürfen, sondern mit strengen und regelmäßig kontrollierten Auflagen gesichert sein muss, dass die Lebensbedingungen für diese Tiere tierwohlgerecht sind.

Insofern haben wir gar keinen Dissens.

Im Circus Humberto werden seit zwei Jahren keine nicht-domestizierten Tiere mehr gehalten. Nochmalige Nachfragen bei Besucher_innen der aktuellen Vorstellung haben das bestätigt. Bei  einem Telefonat mit meinem Wahlkreismitarbeiter berichtete Frau Ortmann vom Circus Humberto, dass eine Haltung von „Wildtieren“ auch gar nicht mehr ginge, weil sie inzwischen Probleme mit der Anmietung von Auftrittsplätzen hätten. Auch private Platzvermieter achten unterdessen darauf, dass der Zirkus nicht mit Wildtieren arbeitet. Sie müssen alle Untersuchungen veranlassen wie in der Landwirtschaft und sie führen auch ein Tierbestandsbuch. Der Zirkus wird durch das Kreisveterinäramt kontrolliert. Eine  Liste der bei ihnen gehaltenen Tiere liegt auch im Amt vor. Natürlich sind sie bei der Tierhaltung streng an den § 11 Tierschutzgesetz gebunden sind. Der Zirkus zieht heute weiter nach Neubrandenburg und wird erst im Herbst wieder in der Gegend sein. Dann werde ich mich mit Frau Ortmann auch noch einmal in einem Gespräch zum Thema verständigen.

Die Gründe Ihrer Kritik an meiner Unterstützung im konkreten Fall halte ich also weitgehend für unberechtigt.

Ich hätte allerdings ehrlich gesagt Kritik an der konkreten Nothilfe (!) auch dann nicht verstanden, wenn der Zirkus nicht-domestizierte Tiere gehalten hätte. Warum soll eine unterlassene Nothilfe für die Tierhalter_innen tierschutzgerechter sein als die Unterstützung? Das erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Im Gegenteil. Ich denke, dass die Kritik an realen Haltungsmängeln und die kritische Diskussion in Deutschland generell zu „Wildtieren im Zirkus“ umso überzeugender ist, je mehr in Notsituationen eine Verschlechterung der Haltung nicht billigend in Kauf genommen wird.

Insofern sehe ich aber wie Sie den dringenden Bedarf, sehr genau hinzusehen bei den konkreten Haltungsbedingungen von Tieren in Wanderzirkussen, endlich ein Verbot nicht-domestizierter Tiere in solchen Zirkussen zu erreichen und die Sensibilität bei den Zirkus-Betreiber_innen und der Öffentlichkeit für tierwohlgerechte Haltung und Ausbildung zu verbessern.

In diesem Sinne verbleibe ich mit besten Grüßen
Kirsten Tackmann MdB
_____________________________________________
Büro Dr. Kirsten Tackmann (MdB)
Mitglied des Fraktionsvorstande
Leiterin des Arbeitskreises Infrastruktur und Haushalt
Agrarpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel: 030 – 227 74308
Fax: 030 – 227 76308
mail: kirsten.tackmann@bundestag.de
Homepage: www.kirsten-tackmann.de <http://www.kirsten-tackmann.de>

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Von: Peter Höffken [mailto:peterh@peta.de]
Gesendet: Montag, 25. März 2013 17:53
An: MdB Tackmann Kirsten; ‚kontakt@kirsten­-tackmann.de
Cc: kv@dielinke-opr.de; rv-dielinke-wittstock@gmx.de
Betreff: AW: Kritik bezüglich Ihrer Hilfsaktion für Circus Humberto

Sehr geehrte Frau Dr. Tackmann,

besten Dank für Ihre ausführliche Antwort und Ihr bundespolitisches Engagement gegen Wildtiere im Zirkus.

Bezüglich der Nothilfe für den Zirkus stimme ich mit Ihnen vollkommen überein, dass Tieren in Not stets geholfen werden sollte. Allerdings befinden sich aus unserer Sicht Tiere im Zirkus, insbesondere Wildtiere, in einer dauerhaften Notsituation. Jeden Winter „stranden“ etliche Zirkusse mit ihren Tieren und sind auf externe Hilfe angewiesen, um die Versorgung sicherzustellen. Leidtragende sind meist die Tiere. Eine direkte Hilfe vor Ort schafft aber nur kurzfristig Abhilfe. Uns ist jedoch an einer dauerhaften Lösung gelegen. Daher setzen wir uns für ein umfassendes Verbot von Tieren im Zirkus ein.

Unseres Erachtens gehören auch sogenannte domestizierte Tiere wie Pferde, Kamele oder Rinder nicht in den Zirkus. Ähnlich wie bei Wildtieren ist eine artgerechte Haltung von domestizierten Tieren im Wanderzirkus nicht möglich. Wussten Sie, dass es Zirkusbetrieben laut „Zirkusleitlinien“ erlaubt ist, Pferde ausschließlich in Boxen zu halten? In vielen Zirkusbetrieben sehen Pferde daher nie oder nur selten eine Weide – eine nach unserer Auffassung unglaubliche Quälerei für diese bewegungsfreudigen Tiere. Selbst im großen und finanzstarken Circus Krone sorgt die mangelhafte Pferdehaltung immer wieder für behördliche Auflagen und Beanstandungen. Bitte sehen Sie dazu unsere Zusammenstellung behördlicher Aussagen auf PETA.de/CircusKrone . Bei Ortswechseln müssen Tiere systembedingt meist viele Stunden lang, teilweise tagelang, auf Transportern ausharren. Auch die Dressur von domestizierten Tieren birgt viele tierschutzrelevanten Probleme, denn diese basiert keineswegs immer auf dem Prinzip der Belohnung. In Griechenland wurde Anfang 2012 die Haltung von Tieren in Zirkusbetrieben konsequenterweise komplett verboten. Für dieses Ziel setzen wir uns auch mittelfristig in Deutschland ein.

Ob der Zirkus Humberto  tatsächlich seit 2 Jahren auf Wildtiere verzichtet, entzieht sich meiner Kenntnis. Diesem Zeitungsbericht zufolge waren auch im letzten Juni noch Löwen dabei http://www.lr-online.de/regionen/weisswasser/Circus-Humberto-gastiert-ab-Donnerstag-in-Weisswasser;art13826,3831382. Im aktuellen Programm scheinen jedenfalls keine Vorführungen mit Wildtieren dabei zu sein.

Für Rückfragen und weitere Diskussion stehe ich gerne zur Verfügung. Mit der Veröffentlichung meiner E-Mails an Sie bin ich einverstanden.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Höffken
– Diplom-Zoologe / Kampagnenleiter Tiere in der Unterhaltungsbranche –

Tel.: +49 (0)7156 17828-18
Fax: +49 (0)7156 17828-10
E-Mail: PeterH@peta.de

PETA Deutschland e.V.
Benzstr. 1
D-70839 Gerlingen

http://www.peta.de/

Eingetragen im Vereinsregister beim Amtsgericht Ludwigsburg, VR 2128