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Sehr geehrte Frau Kollegin,

ich nehme Bezug auf Ihre Pressemitteilung vom 5. Juli 2007 zur Veranstaltung "Respekt und Stolz" des Frauenplenums der Linksfraktion im Bundestag.

Es ist bezeichnend, dass die Grünen im Bundestag anlässlich des 150. Geburtstages von Clara Zetkin nichts anderes zu tun haben, als sich mit einer Veranstaltung der LINKE auseinanderzusetzen.

Es wäre, sehr geehrte Frau Kollegin, vielleicht nützlicher gewesen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, statt sie im Vorfeld aus der Ferne zu kommentieren.

Sie hätten erleben können, welche verheerenden Folgen die Verschärfung des Sozialabbaus durch die rot-grüne Bundesregierung nachweislich gerade für Frauen hat, die zum Beispiel von Hartz IV betroffen sind. Die Zuspitzung der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung ist vor allem weiblich und sie ist auch durch Bündnis90/Die Grünen zu verantworten. Dass nur DIE LINKE wenigstens einigen dieser Frauen am 150. Geburtstag von Clara Zetkin ein Podium und "Respekt und Stolz" gegeben haben spricht, für uns – und gleichzeitig gegen andere!

Zudem kläre ich Sie auch gern auf über die tatsächliche Mitbestimmungssituation von Frauen in und bei der Fraktion DIE LINKE, die Sie offensichtlich auch nur in Kenntnis mehr oder weniger richtiger Medienberichte bewerten.

Erstens gibt es in meiner Fraktion ein Frauenplenum, bestehend aus allen weiblichen Mitgliedern der Linksfraktion. Dieses Frauenplenum hat sowohl ein eigenes Initiativrecht (z. B. zur Antragsstellung) als auch ein Vetorecht gegen Beschlüsse der Fraktionsversammlung. Also: ohne die Frauen geht in unserer Fraktion im Zweifel gar nichts!

Zweitens sind 7 Frauen und 6 Männer Mitglied des Fraktionsvorstandes. Die von Ihnen kritisierte männliche Doppelspitze der Fraktion hat 5 Stellvertreterinnen und nur einen Stellvertreter. Als frauenpolitische Sprecherin bin ich automatisch Mitglied des geschäftsführenden Fraktionsvorstandes. Also – auch in diesen Gremien geht ohne Frauen nichts.

Drittens arbeiten auch auf Mitarbeiterebenen nahezu ebenso viele Frauen wie Männer.

Sie brauchen sich also keinerlei Sorgen darum machen, dass sich Frauen in der Linksfraktion nicht genügend Gehör verschaffen. Erst Recht nicht, weil wir gerade in der PDS sehr konsequent mit zentralistischen Organisationsformen gebrochen haben. Alleinherrschaft wird durch kollektive Weisheit ersetzt! Insofern mag unser Erscheinungsbild mit Blick auf die Spitze aus feministischer Sicht verbesserungswürdig sein – aber wir haben uns ja auch gerade erst auf den Weg gemacht und unsere Zukunft liegt noch vor uns!

Für DIE LINKE. ist Frauen- und Gleichstellungspolitik alles andere "als ein Nebenwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft" – übrigens streng in der Tradition von Clara Zetkin, die bereits vor mehr als 100 Jahren auf die Zusammenhänge zwischen Geschlechtergerechtigkeit und Kapitalismus hingewiesen hat. Gerade deshalb haben wir sie an ihrem 150. Geburtstag ja auch mit der "Respekt und Stolz"- Veranstaltung geehrt.

Vielmehr sehen wir die Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die die Fraktion für alle interessierten LeserInnen vierteljährlich in der eigenen Zeitschrift "Querblick" thematisiert. Diese ist übrigens kostenfrei zu abbonieren unter www.linksfraktion.de/bestellformular.php

Es ist an der Zeit, dass Frauenpolitikerinnen aufhören, selbst patriachale Spielchen zu inszenieren. Unsere Aufgabe ist die Überwindung der strukturellen und sozialen Benachteiligung und Ausgrenzung von Frauen.

Würden Sie die reale Lebenssituation von vielen Frauen ehrlich zur Kenntnis nehmen, Frau Kollegin, müsste Sie das sehr nachdenklich machen. Die Mitverantwortung der Grünen für diese Situation beschränkt Ihre Legitimation als Anwältin der Interessen der Frauen!

Ich würde daher vorschlagen, zur sachlichen Ebene der Auseinandersetzung zurückzukehren. In diesem Sinne

Mit freundlichen Grüßen

Kirsten Tackmann