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"Rohe Kräfte"

Gedicht von Tilman Lucke (Politisch-literarischer Kabarettist )

Wo rohe Kräfte sich zerfressen, ist die Geschichte flugs vergessen. "Nie wieder Krieg" ist lange her, das interessiert heut keinen mehr. Inzwischen lässt sich variieren: "Nie wieder einen Krieg verlieren!"

Wo rohe Kräfte sinnlos töten, da ist ein zweiter Blick von nöten. Wenn beispielsweise ein Despot die Menschen peinigt und bedroht, sie tötet, foltert mit Getöse- vorausgesetzt der Mann ist böse, und zwar aus westlich- guter- Sicht- ja, dann und nur dann darf er´s nicht. Ist es die NATO, die da tötet Im fremden Land und vorher betet, hat alles seine Richtigkeit: Erst wird getötet, dann befreit. Und sollt’ es jemandem nicht passen, der kann sich ja versklaven lassen.

Wo rohe Kräfte nur zerstören, ist Menschlichkeit nicht mehr zu hören. Wenn einer "unsrer" "Jungs" in Zink Zurückkommt, weil er von uns ging, so trauert unser Vaterland noch wochenlang mit Hirn und Hand. Bläst aber einen Flüchtlingstreck die Splitterbombe rücklings weg- es sterben hundert an der Zahl- so nennt man das "kollateral", weil eigentlich die Zivilisten noch um Verzeihung bitten müssten: Sie spielen Flucht und fliehn in Massen, statt sich daheim befreien zu lassen, und stehen auf diese Weise dreist der Schusslinie im Wege meist.

Soll rohe Kraft was Gutes schenken, so muss man handeln, statt zu denken. Damit der finstere Tyrann Sein Volk nicht wahllos morden kann, nimmt dies die NATO in die Hand und stellt den Frieden an die Wand.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da bleibt kein Stein mehr auf dem alten. Und wenn nach einer Bombennacht Der Qualm sich leis vom Acker macht, kann man an der Ruine lesen: "Bin neunundneunzig hier gewesen. Bis bald! Soviel von mir bis dato. Viel Spaß beim Aufbau! Eure NATO."