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Mit einer viertelstündigen symbolischen Sitzblockade auf dem Kyritzer Marktplatz werden an diesem Freitag, den 8. Oktober um 13:00 Uhr Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich gegen den geplanten Castor- Transport im November auszusprechen.

Flugblatt zur Sitzblockade

Flugblatt zur Sitzblockade


„Ich begrüße dieses Signal auch aus der Ostprignitz ausdrücklich, denn das geplante Atommüllendlager Gorleben liegt einen Steinwurf hinter der Elbe – und es gibt ernsthafte Zweifel an der Sicherheit des mit Erdgas unterfütterten Salzstocks. Ich hätte gern selbst an dieser Aktion teilgenommen, habe aber im Rahmen der Sitzungswoche des Bundestages zeitgleich ein lange geplantes Gespräch mit jugendlichen Aussteigern aus dem Drogenmilieu bzw. aus der rechtsradikalen Szene im Zuge der Präventionstage.“ kommentiert Dr. Kirsten Tackmann.

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Eine kürzlich von der MAZ unter Perlebergern durchgeführte Straßenumfrage zum geplanten Atommüllendlager Gorleben zeigte Unkenntnis, ja Gleichgültigkeit der Befragten auf. Obwohl Gorleben unmittelbar an die Prignitz grenzt, glaubten die befragten Perleberger, davon nicht betroffen zu sein. „Naja, das ist zu weit weg für uns. Naja, zu weit weg nicht. Aber damit hab ich nichts zu tun.“, so die Antwort eines älteren Herren.

„Aufklärung und Mahnung sind offensichtlich wichtig. Aktionen wie die Kyritzer Sitzblockade können zum Bewusstsein beitragen, welche Gefahr vor ihrer Haustür gelagert werden soll. Gerade westlich und östlich der Elbe sollten wir gegen solche tödlichen Risiken gemeinsam bürgerschaftlichen Widerstand leisten.“, so Tackmann weiter.

„Die Gefährdung ist offensichtlich an diesem Standort noch größer, als bisher bekannt. DIE LINKE hat im Rahmen des Untersuchungsausschusses im Bundestag im Sommer dieses Jahres alte DDR- Bohrakten entdeckt, die die Erdgasvorkommen unter dem Salzstock Gorleben belegen. Das macht es noch absurder, an Gorleben als Atommüllendlager festzuhalten!

Es geht mir aber dabei nicht nur um die konkreten Risiken im Umfeld von Gorleben. Die Atomkraftwerke gehören abgeschaltet, weil es keine Lösung für die Endlagerung des Atommülls gibt. Kein Atomendlager. Nirgends.“

Zu den Hintergründen:

Die alten DDR- Akten belegen, dass am 25. Juli 1969 bei einer Bohrung in Rambow bei Lenzen in 3.347 m Tiefe ein Gasgemisch angebohrt wurde, das unter hohem Druck herausschoss und explodierte. Der damalige Bohrleiter bezahlte mit seinem Leben, sechs Bohrarbeiter erlitten schwere Verbrennungen. Acht Tage lang war das Feuer nicht zu löschen.

Rambow liegt nur 8 km vom heutigen Erkundungsbergwerk Gorleben entfernt!

Der Bundesregierung waren diese Erdgasvorkommen bekannt, wie die Kabinettsvorlage der Albrecht- Regierung vom Februar 1977 beweist. Daraus geht hervor, dass die Bundesregierung bereits 6 Wochen vor der Gorleben-Standortbenennung von der Gasexplosion in Rambow/ Lenzen Kenntnis hatte – und zwar in vollem Umfang. Trotzdem favorisiert die Bundesregierung Gorleben weiter, will im Oktober die Erkundungsarbeiten wieder aufnehmen und plant sogar, das Atomgesetz so zu ändern, dass Grundstücksenteignungen am Salzstock möglich sind.

Dabei gab es bereits in den 80er Jahren – als von dem Erdgasvorkommen noch nicht öffentlich die Rede war – berechtigte wissenschaftlich unterlegte Zweifel an der Sicherheit des Salzstockes und der darüber liegenden Gesteinsschicht, auch Deckgebirge genannt. Mit dem Erdgasvorkommen steigt die Gefahr, so Professor Klaus Duphorn, Geologe und früherer Gorleben- Gutachter, der pikanterweise nach seiner Studie aus dem Jahre 1981, in der er auf die Gefahren hinwies keine weiteren Gutachteraufträge von der Bundesregierung erhielt, hält die Erdgasvorkommen für das „akute Hauptproblem Nr. 1“.

Bei einer Anhörung im Untersuchungsausschuss zu Gorleben auf die Gasexplosion von Lenzen angesprochen, antwortete er: „Wenn bereits in 3.300 Meter Tiefe im Salzstock größere Gas-Gasolin-Gemische entstanden, dann bedeutet dies für ein Atommüllager den Todesstoß.“

Anhang: 101006_pe_symbolische_sitzblockade_kyritz_gegen_castor.pdf