alt= alt= alt=

START  |  AKTUELLES  |  PRESSE   |  ZUR PERSON   |  FOTOSTRECKE  |  KONTAKT

Nach einem Berlinbesuch im Bundestag durch Bewohner der Fazenda Gut Neuhof bei Nauen im vergangenen Jahr, kam Kirsten Tackmann, Bundestagsabgeordnete der Linken, nun der Einladung der Jugendlichen der Fazenda nach und informierte sich über die Therapiearbeit direkt vor Ort.

©Tackmann

©Tackmann

Nach einem gemeinsamen Mittagessen und den ersten Gesprächen wurden Dr. Kirsten Tackmann, die seit Jahren die havelländischen Präventionstage mitgestaltet, sowie Dr. Andreas Bernig, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der LINKEN, über den Hof geführt und konnten die Arbeitsbereiche der Rekuperanten, wie man die Jugendlichen hier nennt, ansehen.

Ein Besuch des Schweinestalls gehörte genauso dazu wie die Besichtigung des Kraftraums und der Kapelle. Höhepunkte des Besuchs waren aber die Gespräche mit den ehemals drogenabhängigen Jugendlichen, die über ihre Erfahrungen auf der Fazenda berichteten. Im Gespräch wurden den Abgeordneten die drei Säulen der Therapie verdeutlicht: getragen werden, mittragen und selbst tragen. Dieses Konzept zahlt sich aus. Denn von den etwa 25 Prozent, die die Therapie überhaupt beginnen, werden 80 Prozent nach einer aktuellen Studie nicht rückfällig. Damit ist die Fazenda ein Erfolgskonzept.

Aber nicht nur die Jugendlichen sondern auch die Betreuer sind freiwillig auf der Fazenda, weil sie sich selbst als "Überzeugungstäter" sehen, erklärte Volker Dornheim, der Leiter der Fazenda.

Die meisten Jugendlichen haben hier eine klassische Drogenkarriere hinter sich. Der Einstieg kam übers Kiffen oder Alkohol, harte Drogen vor der Volljährigkeit und Beschaffungskriminalität folgten. Ein Gefängnisaufenthalt drohte oft und so war die Fazenda der letzte Ausweg. Bei vielen waren die fehlende oder zu unbeständige Familiensituation sowie der Freundeskreis die Grundsteine für diesen Weg. Mit den Eltern zerstritten und den Kontakt zur Gesellschaft verloren wurde bei vielen die Gemeinschaft der Fazenda zur neuen, vorübergehenden Familie.

Obwohl die Fazenda einen christlichen Ansatz hat und die Therapie auf Freiwilligkeit beruht, wird niemand zum Beten gezwungen. Die Teilnahme an den Gottesdiensten ist zwar Verpflichtung, aber der gut geregelte Arbeits- und Freizeitalltag gehört genauso zur Erfolgsstrategie wie ohne Internet und Fernsehen auf der Fazenda die Chance zu haben, seine innere Ruhe zu finden. Neben Entzugserscheinungen ist vor allem auch die Auseinandersetzung mit möglichen Perspektiven der Rekuperanten nach der Fazenda eine Herausforderung für alle Beteiligten.