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Dr. Kirsten Tackmann nominierte Anna-Lena Oltersdorf aus ihrem Heimatwahlkreis zum Planspiel „Jugend und Parlament“. Am Montag hatten die beiden sich zum Gespräch im Büro der Abgeordneten getroffen.
Hier nun das Fazit der „Parlamentarierin auf Probe“ aus dem Planspiel.

312 Jugendliche treffen sich in Berlin und haben ein Ziel: Einmal selbst Politik hautnah erleben. Und ich war mittendrin bei Jugend und Parlament 2013. Das Planspiel fing erst mit dieser  Aufforderung richtig an: Ich sollte mein Namensschildchen, das am schwarzen Band an meinem Hals hing, umdrehen. Statt meiner blauen Bundestags-Zutrittsberechtigung mit meinem realen Namen kam ein weißes Kärtchen mit neuem Namen und Fraktionszugehörigkeit zum Vorschein. Aus mir, Anna-Lena Oltersdorf, einer 17-jährigen Schülerin, wurde Jana Paul, 41, Juristin aus Mönchengladbach.

Das Los teilte mich der stärksten Fraktion des Bundestages, der Fraktion der Christlichen Volkspartei, zu. Dort war ich Expertin für Gleichberechtigung und arbeitete am Gesetzentwurf zu anonymisierten Bewerbungsverfahren. Als Schriftführerin vertrat ich meine Fraktion während der Plenarsitzungen.

Schnell merkte ich, wie sehr mich die 41-jährige Jana Paul schon eingenommen hatte – spätestens als es mir regelrecht in den Fingern juckte und ich zum Mikrofon greifen wollte, um die Meinung eines Fraktionskollegen zu widerlegen und noch einmal die Vorzüge der anonymisierten Bewerbung zu betonen. Dass die christlichen Grundwerte und der vorliegende Gesetzentwurf vereinbar sind, davon wollte ich so schnell wie möglich jeden im Saal überzeugen. Das politische Fieber hatte mich erwischt, auch wenn ich mir seltsam dabei vorkam, mich mit falschem Namen bei meinen Kolleginnen und Kollegen vorzustellen.

Von den Landesgruppe, über die Arbeitsgruppen, die Arbeitskreise, die Ausschüsse und Fraktionen bis hin zum Plenum – in den verschiedensten Konstellationen arbeiteten wir vier Tage lang an verschiedenen Gesetzentwürfen, bis es am Dienstag schließlich die Abstimmung im Plenum vor laufenden Kameras folgte. Schon vorher beschäftigte mich die große Frage: Folge ich der Fraktionsstrategie oder nicht? Würde Jana Paul von der CVP diesem Gesetzentwurf zustimmen oder würde sie das nicht verantworten? Neben dieser Schwierigkeit hatte die neue Rolle aber auch Vorteile: Ich konnte mich sehr gut überwinden, in einer Diskussion vor einer großen Gruppe zu sprechen – ich spielte ja schließlich eine Rolle.

Doch was mich vor allem als Schülerin – außerhalb der Rolle der fiktiven Abgeordneten – beeindruckt hat, ist das Gefühl, bei Jugend und Parlament unter Gleichgesinnten gewesen zu sein: nicht im Sinne der politischen Einstellung, denn bei JuP trafen verschiedene Meinungen aufeinander. Doch ich erlebte eine Atmosphäre, in der reger Meinungsaustausch unter Jugendlichen ganz selbstverständlich ist, jeder einzelne von uns „Parlamentariern auf Probe“ war bereit, sich einzubringen, seine Meinung zu sagen und andere zu akzeptieren oder auch zu hinterfragen. Diese Atmosphäre ist vor allem in meinem Kopf hängen geblieben.

In diesem Sinne bedanke ich mich für die tolle Chance!
Anna-Lena Oltersdorf