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Mit der Veranstaltung „Geschlechtergerechte Agrarförderpolitik – damit Brüssel die Frauen nicht vergisst!“ setzte DIE LINKE am Donnerstag dieser Woche den Aufschlag für eine längst überfällige Debatte.

Die Situation auf dem Land ist alarmierend. Von geschlechtergerechten Verhältnissen kann keine Rede sein! Nur 9,7 Prozent der deutschen Bauernhöfe sind in weiblicher Hand. Die Frauen auf dem Land verdienen 30 Prozent weniger als die Männer. Es fehlt an Ausbildungs- und Einkommensmöglichkeiten, die öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge wird weiter abgebaut. Die Frauen, vor allem die jungen antworten auf diese unzumutbaren Zustände seit Jahren mit Abwanderung.

Die europäische Agrarförderung ist von Männern für Männer gemacht. Frauen profitieren nur in geringem Maße von den Geldern aus Brüssel. Die Debatte über den nächsten Förderzeitraum (2014-2020) ist jetzt in vollem Gange. Die spezifische Situation der Frauen wird dabei wieder nicht wahrgenommen, obwohl DIE LINKE es immer wieder einfordert. Deshalb werden wir die Debatte jetzt konsequent voran treiben.

Zum Beispiel mit Diskussionsveranstaltungen. Zur ersten lud ich als agrarpolitische Sprecherin gemeinsam mit Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE ein, um darüber zu diskutieren wie geschlechtergerechte Agrarförderpolitik auszusehen hat.

Mit von der Partie waren Ulrike Helberg-Manke von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL), Landesverband Niedersachsen; Sonja Moor, Selbständige Landwirtin und Filmproduzentin; Renate Strohm vom Verein Natürlich! Mecklenburgische Seenplatte e.V. und Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg und MdL; Moderiert wurde die Runde von der Journalistin Ute Sprenger.

Für die LINKE eröffnete ich die Diskussion mit einem Thesenpapier, dass die bessere Einbeziehung von Frauen in Entscheidungsgremien, eine geschlechtergerechte Programmplanung und -umsetzung sowie die Evaluierung der Ergebnisse fordert. Die derzeitige Agrarförderpolitik ist geschlechtsblind. Was wir brauchen sind spezifische Förderungen und der direkte Zugang der Frauen zu den Fördertöpfen, die sie wirtschaftlich ermächtigen.

Renate Strohm von der Mecklenburgischen Seenplatte kritiserte, dass die Förderprogramme und Antragsformalitäten den spezifischen Anforderungen von Frauen nicht entsprechen, die Familie und Beruf vereinbaren müssen und wollen und deshalb oft auf Einkommenskombinationen angewiesen sind. Es wäre wichtig, die Innovationsförderungen voranzubringen, um die außerlandwirtschaftlichen Erwerbstätigkeiten zu fördern, denn dort würden die Frauen arbeiten.

Udo Folgart räumte ein die „Geschlechterfrage“ bisher nicht thematisiert zu haben, weil sich die Landfrauen darum kümmern würden. Aber immerhin wären mehr als die Hälfte der Kreisgeschäftsführer/innen des Brandenburger Bauernverbandes Frauen und auch einige Agrargenossenschaften werden von Frauen geleitet. Doch nach wie vor müsse das Augenmerk auf die Stärkung der Landwirtschaft selbst gelegt werden, die Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe aus der 1. Säule der EU Agrarförderung beibehalten werden. Förderungen aus der 2. Säule für die Entwicklung der ländlichen Raume dagegen können genutzt werden, Perspektiven für Frauen zu entwickeln.

Grundsätzlich anders stieg Ulrike Helberg Manke aus Niedersachsen ein. Sie mahnte an, das traditionelle Rollenverständnis zu überprüfen. Ihrer Meinung nach ginge es nicht darum optimalere Bedingungen dafür zu schaffen, dass Frauen ihren tradierten „Aufgaben“ besser nachkommen könnten. Auch auf dem Land müssen die unterschiedlichsten Lebensentwürfe von Frauen und Männern gleichberechtigt Chancen erhalten.

Die gebürtige Österreicherin Sonja Moor setzt auf die Stärkung regionaler Kreisläufe. Dafür müsse man die Potentiale beider Geschlechter nutzen. Sie plädierte für eine wachsamen Geist und Widerstand gegen unsinnige oder gefährliche Investitionen wie die Gentechnik.

Anregend war der Austausch, aufmerksam die Diskussion bei diesem ersten Aufschlag. Die Debatte ist eröffnet. Fazit für DIE LINKE: Lebendige ländliche Räume sind nur durch einen geschlechtergerechten Zugang zu den Fördertöpfen zur erreichen. Ziel muss die Überwindung der ungleichen Lebenslage von Frauen und Männern sein.

Hier lesen Sie die LINKEN Thesen zu „Geschlechtergerechte Agrarförderpolitik – damit Brüssel die Frauen nicht vergisst“

Anhang: 1102_bundestagsreport.pdf