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Der Bundestagsreport aus dem Büro Tackmann zu Haushalt und Wald.
In den aktuell laufenden Haushaltsverhandlungen muss die Situation im Wald berücksichtigt werden. Denn das ist eine Generationenaufgabe, bei der Fehler auf Kosten unserer Kinder und Enkel gehen und darf nicht verschlafen werden.

Der Haushaltsentwurf der Bundesregierung sieht für den Bereich Landwirtschaft und Ernährung eine Aufstockung um 1,13 Mio. Euro vor. Das entspricht einem Plus an 1,8 % gegenüber dem Haushalt in 2019. Auch Maßnahmen zur Bewältigung von Extremwetterschäden im Wald erhalten eine Aufstockung um 5 Mio. Euro im Jahr 2020. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein im Hinblick auf die aktuelle Situation im Wald.

Der heimische Wald ist zurzeit in einer schwierigen Situation. Extremwetterereignisse wie Stürme bis zur Orkanstärke und der Dürresommer 2018 haben in vielen Regionen dem Wald massiv geschadet. Dazu kommen vermehrt auftretende Forstschädlinge sowie ein steigendes Waldbrandrisiko. Von Fachleuten erwartet, wirken die Probleme medial wie ein Paukenschlag ohne Vorwarnung. Angesichts der sehr langen Regenerationszeit des Waldes sind Lösungen ebenso dringend wie schwierig. Allein 2018 fielen durch Sturm, Trockenheit und Forstschädlinge gut 30 Millionen Kubikmeter Schadholz an. Das entspricht etwa der Hälfte des jährlichen Holzeinschlags. Die Prognosen für 2019 sehen düster aus. Die Zahlen aus den Bundesländern werden regelmäßig nach oben korrigiert.

Zugleich werden Wälder als Ökosystem, für Klimaschutz und den Wasserhaushalt, für Kultur und Erholung gebraucht. Pro Jahr entlasten die heimischen Wälder z. B. die Atmosphäre um mehr als 50 Millionen Tonnen CO2. Damit ist der Wald ein Schwergewicht unter den CO2-Senken. Für all diese Gemeinwohlfunktionen muss der Wald unterstützt und geschützt werden. Dafür werden dringend Soforthilfemaßnahmen gebraucht, aber auch eine langfristige Waldstrategie für naturgemäße Waldentwicklung. Denn zur schwierigen Situation hat beigetragen, dass zu spät und zu zögerlich begonnen wurde, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Das Gesamtziel der LINKEN ist klar: Wälder mit gemischter Altersstruktur sowie möglichst heimischer Laub- und Nadelholzanteilen, also naturgemäße Waldgemeinschaften, die widerstandfähiger gegen Temperaturextreme, Stürme und Forstschädlinge sind. Angesichts der schon jetzt spürbaren Klimaveränderungen wird aber weiter diskutiert, ob und wie sich die heimischen Waldgemeinschaften verändern müssen.

Sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen müssen jetzt schnell begonnen werden, ineinandergreifen und gut abgestimmt sein. Gebraucht wird ein umfassendes Maßnahmenpaket das auch im Haushaltsplan für 2020 mit berücksichtigt wird.

Bereits vor der parlamentarischen Sommerpause 2019 hat DIE LINKE im Bundestag als erste Fraktion einen Nothilfefonds mit 200 Mio. Euro beantragt um kurzfristig Waldschäden zu beseitigen, als Voraussetzung für eine naturgemäße Waldbewirtschaftung. Momentan sind Forstleute, Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter vor allem damit beschäftigt, Schadholz aus dem Wald zu schaffen und das genaue Ausmaß der Schäden zu beziffern. Von Wiederaufforstung und Umbau kann erst danach die Rede sein. Wir LINKEN wollen aber auch sichern dass die Unterstützung vor allem bei Klein- und Kleinstwaldbesitzern ankommt. Der Nothilfefonds soll ohne Vorbedingungen und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden.

Mittel- und langfristig braucht es eine Waldstrategie 2050, die die aktuellen Herausforderungen im Wald mit berücksichtigt und eine gründliche Auswertung der Waldstrategie 2020 als Grundlage nimmt. Die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag hat dazu ein Fünf-Punkte-Programm vorgeschlagen, um die aktuell drängendsten Probleme anzugehen.

Zu den Fehlern in der Vergangenheit gehört auch der massive Personalabbau in der Forstwirtschaft. Daher braucht es dringend mehr gut qualifizierte und gut bezahlte Forstleute in der Fläche um die jetzt nötigen Maßnahmen umzusetzen. DIE LINKE fordert unter anderem, dass sich der Bund mit den Ländern verbindlich zu bundeseinheitlichen Betreuungs- und Sozialstandards für Beschäftigte in der Forstwirtschaft verständigt.

Zudem braucht es braucht ein neues Waldbrandschutz-Konzept, dass die aktuellen Entwicklungen berücksichtigt. Die Zahlen zeigen, dass Waldbrände in den letzten Jahren stark zugenommen haben und es ist zu befürchten, dass diese Entwicklung so weiter geht.

Wichtig ist auch eine Nutzugsstrategie für Holz in der Kaskade von stofflicher zu energetischer Nutzung. Das ermöglicht auch die langfristige Bindung von CO2 in Holzprodukten und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz über die Nutzung als erneuerbare Energie hinaus.

Langfristig muss die Jagd und die Waldwirtschaft auf den Schwerpunkt Naturverjüngung der Wälder ausgerichtet werden. Deshalb gehört zur naturgemäßen Waldwirtschaft zwingend eine konsequente Jagdstrategie, die gemeinsam mit den Jägerinnen und Jägern umgesetzt werden muss.

Auch in den aktuell laufenden Haushaltsverhandlungen muss die Situation im Wald berücksichtigt werden. Denn das ist eine Generationenaufgabe, bei der Fehler auf Kosten unserer Kinder und Enkel gehen und darf nicht verschlafen werden. DIE LINKE bleibt am Thema dran.

Hier der LINKE Antrag „Soforthilfemaßnahmen für die deutsche Forstwirtschaft“ (Drs. 19/10287)
Hier das LINKE Fünf-Punkte-Programm für einen naturgemäßen Waldumbau