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Wenn der Wald leidet geht uns das alle was an, denn er gehört zu unseren Lebensgrundlagen.

DIE LINKE bleibt dabei: mehr Geld für den naturgemäßen Waldumbau ist wichtig, aber angesichts der Herausforderungen nicht ausreichend. Die Gemeinwohlleistungen des Waldes sind ebenso vielfältig wie seine Probleme und die benötigten Lösungen. Eine auf Geld verkürzte Debatte wird dem nicht gerecht. Pro Jahr entlasten die heimischen Wälder z. B. die Atmosphäre um mehr als 50 Millionen Tonnen CO2. Damit ist der Wald ein Schwergewicht unter den CO2-Senken. Die vielen Gemeinwohlfunktionen im Wald sind zwar auch die Verantwortung der Waldbesitzenden, aber Schutz und Unterstützung wo nötig ist in aller Interesse. Dafür werden sowohl dringend Soforthilfemaßnahmen gebraucht, aber auch eine langfristige Waldstrategie für eine naturgemäße Waldentwicklung. Denn, dass Fehler der Vergangenheit zu spät und zu zögerlich korrigiert wurden, trägt zur schwierigen Situation bei.

Deshalb fordert DIE LINKE zum Waldgipfel:

Soforthilfe von Dürre- und Brandschäden (Nothilfefond)
Die massiven Schädigungen des Waldes, die durch die Extremwetterereignisse im Jahr 2018 und den Hitzerekord-Sommer im Jahr 2019 entstanden sind, müssen mit einer unkomplizierten und bedingungslosen finanziellen Hilfe beseitigt werden. Dazu wollen wir mit Soforthilfemaßnahmen die deutsche Forstwirtschaft unterstützen. Dieses Sonderprogramm in Höhe von 200 Mio. Euro soll betroffene Waldwirtinnen und Waldwirte noch im Jahr 2019 helfen, dringend notwendige Maßnahmen, wie die Beseitigung von Schadholz aus den Wäldern und Schädlingsbefall von Bäumen, durchzuführen. Besonders kommunale und private Eigentümer und Eigentümerinnen von Klein- und Kleinstwald, die zusammen etwa die Hälfte der Waldflächen in Deutschland besitzen, sollen von diesen Soforthilfemaßnahmen profitieren. Daher ist eine Begrenzung der Förderfähigkeit auf eine Waldbesitzfläche von 50 Hektar vorgesehen. Die Wichtigkeit Kleinwaldbesitzer finanzielle Unterstützung zuzusichern bestätigt zudem das Bundesamt für Naturschutz (BfN). Gerade Eigentümerinnen und Eigentümer von kleinen Waldstücken sind mit den aktuellen Herausforderungen in personeller und technischer Hinsicht überfordert und müssen entlastet werden, so das BfN. Bei entsprechender Unterstützung können sich sogar echte Win-Win-Lösungen ergeben.

Schonungslose Analyse der Ergebnisse der Waldstrategie 2020
Die Waldstrategie 2020 läuft aus und hinterlässt den heimischen Wald in einem kranken Zustand. Das ist eine schlechte Bilanz und bedarf einer ehrlichen Analyse und wirkungsvolle Schlussfolgerungen. Eine Waldstrategie 2050 kann nur erfolgreich sein, wenn aus Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Gesetzlich verankerter Waldumbau
Der Wald als Multitalent muss als solcher anerkannt werden. Dazu braucht es eine gesetzlich verankerte Pflicht zum Waldumbau zu Mischwäldern mit vielfältiger Altersstruktur und einer Durchmischung von möglichst heimischen Baumarten sowie zu einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung. Diese Anstrengung wollen wir mit 20 Millionen Euro jährlich über einen Zeitraum von zehn Jahren über den Bundeshaushalt fördern. Zusätzlich sind gemäß Nationale Biodiversitätsstrategie bis 2030 fünf Prozent der Waldfläche als „Naturwald“ zu schützen.

Holzbau Offensive
Holz ist ein wertvoller nachwachsender Rohstoff und muss sorgsam genutzt werden, da er lange Wachstumszyklen hat. Wichtig ist eine Nutzugsstrategie für Holz in der Kaskade von stofflicher zu energetischer Nutzung. Damit mehr Holz zunächst als Baumaterial genutzt werden kann, müssen unnötige rechtliche Hürden beseitigt werden. Gleichzeitig muss die Nutzung so erfolgen, dass eine nachfolgende stoffliche oder energetische Nutzung möglich bleibt. Auch eine verbesserte Altholznutzung muss ambitionierter angepackt werden. Außerhalb der aktuellen Notsituation ist die sofortige Verbrennung eine Vergeudung dieser wertvollen Ressource, deren Weg eigentlich vom Baum, zum Balken, zur Holzspanplatte und dann zu Hackschnitzeln führen müsste. Das ermöglicht auch die langfristige Bindung von CO2 in Holzprodukten und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz über die Nutzung als erneuerbare Energie hinaus.
Zudem darf die Holz- und Sägeindustrie nicht länger vorgeben, welche Baumarten in unseren Wäldern stehen. Laubbaumarten sind für das Bauen mit Holz weiterhin uninteressant. Daher muss die Kernkompetenz Bauen mit Laubholz dringend ausgebaut werden sowie Forschungsvorhaben finanziell unterstützt werden.

Totholz-Programm
Stehendes und liegendes Totholz im Wald ist zwar ökologisch erwünscht, kann aber auch ein Problem darstellen. Flächendeckend hoher Anteil kann das Waldbrandrisiko erhöhen oder Schadholz zum Nährboden für unerwünschte Forstschädlinge (z.B. Borkenkäfer) werden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Totholz wichtig für die Naturverjüngung ist und zudem als Bodenschutz, Feuchtigkeitsspeicher, Nährstoffspender und Hemmnis gegen Wildverbiss dient. DIE LINKE fordert daher Totholz, von dem keine Gefahr ausgeht, im Wald zu belassen. Verarbeitungs- oder Vermarktungsengpässe z. B. nach Sturmschäden sollten mit der Förderung von Zwischenlagern oder zeitweise geöffnete Verarbeitungswege wie der thermischen Verwertung begegnet werden. Für die Entnahme von Schadholz, das als Träger für Forstschädlinge dient, muss es eine unkomplizierte Unterstützung im Rahmen eines Nothilfefonds geben – vor allem für die Klein- und Kleinstwaldbesitzer.

Besseres Risiko- und Krisenmanagement in der Forstwirtschaft
Der Klimawandel führt über die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen zu einem vermehrten Auftreten von Krisensituationen. Die Anpassungsfähigkeit von Waldökosystemen wird in Zukunft voraussichtlich immer wieder überschritten werden. Daher braucht es ein intelligentes Risikomanagement. Dazu gehört ein jährlicher Waldschadensbericht, verbesserte forstliche Fernerkundung, steuerfreie Risikoausgleichsrücklage für Forstbetriebe und Waldbesitzer, sowie eine bessere Bund-Länder Koordination beim Waldentwicklungsmonitoring. Die aktuelle Waldkrise zeigt, dass deutlicher Nachbesserungsbedarf von Nöten ist.

Naturverjüngung vor Wiederaufforstung
Aktionistische Wiederaufforstungsprogramme machen nur dann Sinn, wenn sichergestellt ist, dass die Setzlinge die nächsten trockenen Sommer überstehen. Alles andere sind verschwendete Steuergelder. Der Wald der Zukunft soll schwerpunktmäßig über Naturverjüngung entstehen. Naturverjüngung in Wäldern funktioniert aber nur bei standortangepassten Wilddichten, also waldverträgliche Wildbestände. Wenn der Jungwald mit Zäunen vor Wildtieren geschützt werden muss, ist dies sehr teuer und keine wirkliche Alternative. Deshalb gehört zur naturgemäßen Waldwirtschaft zwingend eine konsequente Jagdstrategie, die gemeinsam mit der Jägerschaft entwickelt und umgesetzt werden muss. Zudem muss die Frist zur Aufforstung von Kahlflächen von drei auf mindestens fünf Jahre angehoben werden, um den Waldbesitzenden und dem Wald selber die Chance auf Naturverjüngung zu geben.

Gesunde Wälder schonen
Der Großteil unserer heimischen Wälder ist bisher nicht sichtbar von den Extremwetterereignissen betroffen. Für diese Bestände muss ein Schonprogramm gelten durch die Reduzierung des Holzeinschlages insbesondere in Laubmischwäldern und Wäldern die auf dem Weg der Erholung sind. Das vermeidet auch bestehende Verarbeitungs- und Vermarktungsengpässe.

Mehr Forstpersonal auf der Fläche
Zu den Fehlern in der Vergangenheit gehört auch der massive Personalabbau in der Forstwirtschaft. Laut dem Bund Deutscher Förster (BDF) wurden in den vergangenen 20 Jahren 50% der Stellen im Forst gestrichen. In der Konsequenz müssen Forstleute deshalb immer größere Waldflächen betreuen. Das ist angesichts der großen Herausforderungen unverantwortlich. Um die jetzigen Herausforderungen hin zu einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung ernsthaft umzusetzen, braucht es zwingend gut qualifizierte und gut bezahlte Forstleute in der Fläche. Daher fordert DIE LINKE, dass sich der Bund mit den Ländern verbindlich zu bundeseinheitlichen Betreuungs- und Sozialstandards für Beschäftigte in der Forstwirtschaft verständigt.

Beratungsangebot für Klein- und Kleinstwaldbesitzer
Rund die Hälfte der Wälder in Deutschland sind im Privatbesitz. Der größte Teil davon sind Klein- und Kleinstwaldbesitzer. Die Eigentümer sind oftmals mit den Erfordernissen einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung überfordert und benötigen daher umso mehr forstfachliche Beratung und Betreuung. Das ist eine Mammutaufgabe und wurde in den letzten Jahren oft vernachlässigt. Nur gemeinsam mit den Privatwaldbesitzenden ist ein naturgemäßer Waldumbau möglich. Gleichzeitig sind Waldgrundstücke eine beliebte Geldanlage, was auch im Wald zu einem verstärkten Aufkauf von Flächen durch forstwirtschaftsfremde Investoren führt. Daher braucht es bundesweit ein forstwirtschaftliches Vorkaufsrecht für Bund, Länder und Kommunen.

Waldschutz als Teil der Lehre – Wissenslücken schließen
Waldschutz und Waldbau als Teil der Lehre an Hochschulen wurde in den letzten Jahren stark vernachlässigt. Das hat zu einer immensen Wissenslücke geführt, die sich spätestens jetzt bemerkbar macht. Gefragt, welche Baumart auch in 100 Jahren noch auf unserem Breitengrad wachsen könnte, benennt jede Wald-Wissenschaftlerin oder jeder Wald-Wissenschaftler zurzeit eine andere Baumart, vieles bleibt spekulativ. Solche Wissenslücken müssen dringend geschlossen werden – durch eine stärkere Verankerung von Waldschutz, Waldbau und Waldökosystemmanagement in den Forstwissenschaften. Das Konzept der Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft und muss angesichts der neuen Herausforderungen weiterentwickelt werden.