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Im Bundestagsreport geht es dieses Mal um die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest – auch für die Schweinehaltung.

Afrikanische Schweinepest bleibt ernsthafte Bedrohung

Noch ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland nicht ausgebrochen. Aber das scheint eher eine Frage der Zeit. Die Wissenschaft geht davon aus, dass für die Einschleppung dieses Virus der Mensch das größte Risiko ist. Menschen sind zwar nicht empfänglich für das Virus, könnten es aber durch unachtsamen Umgang mit Speiseresten über eine so genannte Sprunginfektion nach Deutschland einschleppen.  Schon ein an einer Raststätte achtlos weggeworfenes Brot mit Rohwurst aus einem ASP-Gebiet, das von einem Wildschwein gefressen wird, kann ausreichen. Aufklärung und Informationen über dieses Risiko und Hinweise zu Vorsichtsmaßnahmen auf Plakaten und mehrsprachigen Handzetteln an Parkplätzen sind deshalb wichtige Schritte zur Risikoreduzierung.

Welches Ausmaß die Tierseuche nach der Einschleppung haben wird, hängt ganz wesentlich davon ab, wie schnell das erkannt wird und wie konsequent die erforderlichen Gegenmaßnahmen umgesetzt werden. Das schnelle Melden von Fallwild (bei ASP tote Wildschweine) ist dabei extrem wichtig. Dabei hilft unterdessen eine App des Deutschen Jagdverbands (Wildwarner „wuidi“), die eigentlich zur Identifikation von Gefahrabschnitten für Verkehrsunfälle mit Wild erarbeitet wurde. Sie kann nun aber von jeder und jedem genutzt werden, um auch das Risiko einer ASP-Ausbreitung zu reduzieren.

Nach neuesten Erkenntnissen wird aber auch die Wildschweindichte in der betroffenen Region mit darüber entscheiden, wie erfolgreich die Bekämpfung der ASP sein kann. Und nicht nur deshalb müssen die aus vielfältigen Gründen historisch hohen und weiter wachsenden Wildschweinbestände jetzt endlich reduziert werden, denn das ist ohne ASP überfällig. Natürlich tierschutz- und waidgerecht, aber konsequent. Zumal aufgrund der hohen Sterberate von 90% bei der ASP die meisten Schwarzkittel ohnehin sterben würden.

Aber wie kann das erreicht werden, nachdem jahrelang die Appelle ohne Wirkung blieben?

Die intensive Abstimmung mit den Ländern – Tierseuchenbekämpfung ist wie auch große Teile des Jagdrechts Länderhoheit – zeigt, dass die Brisanz des Themas inzwischen bei der Bundesregierung angekommen ist. Nun gilt es, weitere konkrete Maßnahmen aus den Kenntnissen abzuleiten. Wenn wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Ausbreitung des Virus überhaupt erst bei einer Dichte von 0,1-0,2 Wildschweinen/km² gestoppt werden kann, dann sollte dies die orientierende Zielgröße sein, aus der sich die regional notwendige Bestandsreduktion ergibt. Daraus wiederum ließen sich die Bedarfe mit der regionalen Jägerschaft ableiten. So hätte man schnell eine Übersicht, wo Jagdausübungsberechtigte fehlen und welche Unterstützungen (Sonderurlaub, Prämien etc.) geleistet werden muss, um die Auswirkungen zu begrenzen, die auch für die Hausschweinebestände in den betroffenen Regionen erheblich wären, selbst wenn sie selbst alles dafür tun, sich mit konsequenten Maßnahmen zur Biosicherheit zu schützen.

Doch nicht nur in der unmittelbar betroffenen Region wären die Folgen massiv. Deutschland hat EU-weit nach Spanien, die größte Schweineproduktion. Inzwischen wird mehr Schweinefleisch produziert und verarbeitet, als in Deutschland selbst konsumiert wird. Während im EU-Binnenmarkt Ausfuhren – vermutlich zu stark fallenden Preisen – weiter möglich bleiben könnten, hat z. B. China als wichtigstes Drittexportland für deutsches Schweinefleisch bereits angekündigt, einen Exportstopp für das ganze Land zu verhängen. Wenn das geschieht, könnte das die schweinehaltenden Betriebe und die Verarbeitungsindustrie kollabieren lassen.

Niemand lässt dieses Krisenszenario kalt. Aber leider beweist es auch, wie gefährlich die exportorientierte EU-Agrarpolitik ist. Nicht nur im Falle von Handelsrestriktionen. Denn die globalen Handels- und Warenströme erhöhen natürlich auch die Gefahr der Einschleppung von Infektionserregern. Und Megaställe mit mehreren 10.000 Schweinen oder auch Regionen mit extrem hohen Schweinedichten wie in Niedersachsen oder NRW sind für die Tierseuchenbekämpfung extreme Herausforderungen. Auch deshalb fordert DIE LINKE seit Jahren, die Tierbestände in Regionen und an Standorten zu deckeln.

Und DIE LINKE fordert die Bundesregierung auf, der wichtigen Informationskampagne weitere aktive Maßnahmen folgen zu lassen. Denn wenn bereits die Lasagne mit Pferdefleisch nicht zu kontrollieren war, wie soll dann sichergestellt werden, dass Rohwurst- und Fleisch in Supermärkten hierzulande nicht doch aus ASP-Regionen kommt? Wären striktere Handelsbeschränkungen für dieses Segment nicht angemessener angesichts der verheerenden Folgen für Fehler im System? Würden nicht konkrete Sanktionen besser helfen gegen riskantes Verhalten an Autobahnraststätten? Kann Jagdtourismus nicht wenigstens mal pausieren in einer solchen Gefahrensituation?

DIE LINKE fordert außerdem schon lange mehr Forschungsmittel, sowohl für epidemiologische als auch wildbiologische Fragestellungen. Die Antwort der Bundesregierung auf die erneute Kleine Anfrage der LINKEN bestätigt u. a. auch deutliche Kenntnislücken. Die zugespitzte Gefahrensituation unterstützt deshalb die Forderung nach einem eigenständigen Epidemiologischen Zentrum, das strategisch und langfristig die notwendigen wissenschaftliche Erkenntnisse liefert.