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Die Gentech-Petunie tauchte plötzlich an einem Ort wieder auf, an dem sie nie gezüchtet wurde und nachdem angeblich alle Gentech-Pflanzen komplett entsorgt wurden. Ein Paradebeispiel für die Unkontrollierbarkeit der Gentechnik.

Gentechnik durch die Blume
Gentech-Petunie wieder aufgetaucht oder das Märchen von der Kontrollierbarkeit der Agrogentechnik

von Dr. Kirsten Tackmann

Ende April hat die finnische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (EVIRA) orangefarbenen Petunien entdeckt. Das fiel auf, weil diese Farbe nicht zum natürlichen Spektrum dieser Pflanzen gehört. In den 1990er Jahren wurde diese Farbe aber durch gentechnische Veränderung (gv) erzeugt. Solche gv – Petunien sind jedoch in der EU gar nicht zugelassen, sie dürften also weder angepflanzt noch verkauft werden.

Anlass genug für DIE LINKE, im Agrarausschuss des Bundestags nachzufragen: Wie konnte das geschehen und welche Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen?

Laut aktuellen Untersuchungen der für die Kontrollen zuständigen Länder wurden gv-Petunien ebenfalls in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gefunden. Es wird vermutet, dass die in Finnland gefundenen hier ihren Ursprung haben. Laut Bundesagrarministerium sind die betroffenen Betriebe sowie Verbraucherinnen und Verbraucher informiert und wurden aufgefordert, die betroffenen Pflanzen unverzüglich zu entsorgen. Weitere Untersuchungen laufen. Die Bundesregierung würde alles Nötige unternehmen, um den Vorfall lückenlos aufzuklären.

So weit so schlecht.

Denn: was wäre eigentlich gewesen, wenn es um keine so offensichtlich veränderte Eigenschaft gegangen wäre? Hätte man diese illegale Verbreitung überhaupt entdeckt? Wie sicher sind die Kontrollsysteme, wenn eine solche länderübergreifende Verbreitung einer nicht zugelassenen Pflanze möglich ist? Und dies ist ja nicht das erste solcher Vorfälle. Vor einigen Jahren fiel ein ungewollter (oder illegaler?) Anbau von gv-Kartoffeln in Schweden auch nur auf, weil diese Pflanzen eine andere Blütenfarbe hatten als die eigentlich angebaute Sorte. Vergangenes Jahr war in Deutschland gv-Mais irrtümlich angebaut worden. Der gv-Reis LL601 ist gar weltweit in Supermarktregalen nachgewiesen worden, obwohl er offiziell nur in einem kleinen Feldversuch in Georgia, USA angebaut und nie zugelassen wurde.

Doch die angeblich heile Gentechnikwelt ist unkontrollierbar und damit riskant. Eine ungewollte oder illegale Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen lässt sich ganz offensichtlich nicht sicher verhindern. Die so genannte Ko-Existenz des konventionellen bzw. ökologischen Anbaus und gentechnisch erzeugter Pflanzen bleibt ein Märchen. Aktuell blüht uns die Bestätigung unserer Position im falschen Orange entgegen.

Dabei schließt sich mit den gv-Petunien ein unschöner Kreis der Geschichte der Gentechnik. Am 14. Mai 1990 wurde am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln der erste Freilandversuch mit eben jenen Petunien durchgeführt. Ein Mais-Gen wurde übertragen, die weißen Blüten wurden lachsrot. Sonneneinstrahlung machte diese Wirkung aber zunichte. Petunien wurden damals verwendet, weil diese einjährig sind und das Risiko einer ungewollten Verbreitung gering schien. Ironie des Schicksals, dass der aktuelle Vorgang genau das widerlegt, was den Finger in die offene Wunde der grünen Gentechnik legt. In diesem Fall stört nur eine harmlose Blütenfarbe die nicht mehr weiße Weste. Das nächste Mal ist es vielleicht eine gesundheitsgefährdende oder ökologisch riskante Eigenschaft. Deshalb sagt DIE LINKE: Hände weg von genetischen Manipulationen.