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!! ACHTUNG!! DIESE SEITE WIRD NICHT MEHR AKTUALISIERT. Bitte wenden Sie sich mit Ihren Anliegen nach dem Ende des Mandats von Dr. Kirsten Tackmann am 26.10.2021 an die aktuelle Linksfraktion im Bundestag. Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und konstruktive Kritik der vergangenen 16 Jahre möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

Die Zahl der Mikroorganismen mit Resistenzen gegenüber Antibiotika hat in den vergangenen Jahren weltweit bedenklich zugenommen. Der Einsatz von Antibiotika ist zu minimieren, sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin – das ist mittlerweile fraktionsübergreifend Konsens. Es muss also in der Tierhaltung prioritär darum gehen, das Erkrankungsrisiko – etwa durch bessere Haltungsbedingungen – zu minimieren. Denn je seltener behandelt werden muss, desto geringer ist das Resistenzrisiko. In den vergangenen Jahren wurde einiges unternommen, aber strukturelle Ursachen waren zu wenig im Blick. Aus diesen Gründen stellte DIE LINKE eine Kleine Anfrage (Drs. 19/18759) an die Bundesregierung mit einem Katalog offener Fragen. Auch wenn die Vorbemerkung der Antwort suggeriert, man wäre längst auf gutem Wege, räumt die Bundesregierung in den Antworten diverse weiter bestehende, deutliche Defizite ein.

Antibiotikaresistenzen – die bittere Pille

In der vergangenen Woche hat die EU-Kommission die „Farm-To-Fork-Strategie“ im Rahmen des Green Deals vorgestellt. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Nachhaltigkeitsmaßnahmen-Katalogs der EU ist die Forderung nach einer Reduzierung der eingesetzten Antibiotika um 50 Prozent. Auch die bis 2022 umzusetzende EU-Tierarzneimittel-Verordnung hat den Schwerpunkt der Risikominimierung bei Antibiotikaresistenzen. Der Erhalt der Wirksamkeit antimikrobieller Wirkstoffe ist ein wichtiges, ja existenzielles Thema mit gemeinsamer Verantwortung von Human- und Veterinärmedizin. Die Zahl der Mikroorganismen mit Resistenzen gegenüber Antibiotika hat in den vergangenen Jahren weltweit bedenklich zugenommen (tagesschau.de „Mehr Tote durch resistente Keime“,18.11.2019). Deshalb besteht unterdessen fraktionsübergreifend Einigkeit im Grundsatz, den Einsatz von Antibiotika sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin zu minimieren.

In der Tierhaltung muss es prioritär darum gehen, das Erkrankungsrisiko zu minimieren, z. B. durch bessere Haltungsbedingungen. Je seltener behandelt werden muss, desto geringer ist das Resistenzrisiko. In den vergangenen Jahren wurde einiges unternommen, aber strukturelle Ursachen waren zu wenig im Blick. Aus diesen Gründen stellte DIE LINKE die Kleine Anfrage „Offene Fragen zur Antibiotikaminimierung bei Nutz-, Klein- und Heimtieren“ (Drs. 19/18759) an die Bundesregierung mit einem Katalog offener Fragen. Auch wenn die Vorbemerkungen der Antwort suggerieren, man wäre längst auf gutem Wege, räumt die Bundesregierung in den Antworten diverse weiter bestehende, deutliche Defizite ein.

Bereits bei Frage 1 schreibt die Bundesregierung selbst: „Im Rahmen der Evaluierung der 16. AMG-Novelle konnte ein Einfluss der Betriebsgröße auf die Therapiehäufigkeit von Betrieben festgestellt werden.“ Damit bestätigt die Bundesregierung indirekt die Richtigkeit der oft wiederholte Forderung der LINKEN nach einer orts- und flächengebundenen Tierhaltung (LINKER Antrag „Nutztierhaltung an Fläche binden“, Drs. 19/15120). Damit können nicht nur die ökologischen Probleme gelöst, sondern auch die Folgen von Infektionserkrankungen reduziert werden. Die Bundesregierung bestätigt auch, dass es vor allem im Bereich der Geflügelhaltung Probleme gibt. Hier gibt es weiter besorgniserregend hohe Zahlen bei der Verwendung sogenannter Reserveantibiotika, die aus Sicht der LINKEN aufgrund ihrer Bedeutung der Humanmedizin vorbehalten sein sollten.

Neben der direkten Gefahr bei der Anwendung von Antibiotika sind auch die Produktionsbedingungen von antimikrobiellen Wirkstoffen problematisch. Fast die gesamte Produktion wurde aufgrund sozialer und ökologischer Dumpingbedingungen in Drittstaaten verlagert nebst Marktkonzentration auf wenige Hersteller für solche Wirkstoffe. Zusätzlich werden Umweltschäden im Umfeld der Produktionsstätten berichtet. Ein schmutziges Geschäft, von dem auch Deutschland unterdessen riskant abhängig ist (Medikamente:Sorge um den Antibiotika-Vorrat, SZ, 18.02.2020)

Die Bundesregierung selbst formuliert in ihrer Antwort: „Hinsichtlich der Versorgungssicherheit kann bei einzelnen Wirkstoffen ein Risiko für Lieferengpässe bestehen, da die Herstellung bestimmter Wirkstoffe nur durch wenige Hersteller erfolgt. […] Der Anteil der verwendeten Menge antibakterieller Wirkstoffe, welche in Deutschland als Ausgangsstoffe für die Herstellung eines Fertigarzneimittels hergestellt werden, wird durch das BVL aufgrund der dort verfügbaren Informationen auf deutlich unter 1 Prozent geschätzt.“. Bei der Frage der verfügbaren Arzneimittelherstellern gibt es gar keine Übersicht. Diese Abhängigkeit von Risikostrukturen ist unverantwortlich. Produktionsorte innerhalb der EU sind dringend notwendig. Die Möglichkeit der Zertifizierung von fairen und ökologischen Produktionsbedingungen besteht und muss genutzt werden. Die Versorgungssicherheit mit antibiotischen Wirkstoffen und Arzneimitteln ist systemrelevant und muss Chef(innen)sache werden.

Das will sich die Bundesregierung auch auf die bereits lange Aufgabenliste für ihre EU-Ratspräsidentschaft schreiben. Eine Lösung des Problems wird nicht gehen ohne eine mutigere Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen. Nicht erst Corona hat uns die Dringlichkeit eines funktionierenden Gesundheitssystems und einer unabhängigen, öffentlich finanzierten und kooperativ arbeitenden Forschungslandschaft aufgezeigt.