alt= alt= alt=

START  |  AKTUELLES  |  PRESSE   |  ZUR PERSON   |  FOTOSTRECKE  |  KONTAKT

Die Esskastanie, die mit den Römern über die Alpen in unsere Gefilde kam ist eine Bereicherung für Wald und Flur. Ihre Früchte – ehemaliges Brot der Armen und Delikatesse der Reichen – sind auch heute beliebter Snack auf den Märkten im Herbst und zur Weihnachtszeit. Und auch auf den Klimawandel scheint sie bestens vorbereitet zu sein.

Alois Gerig, (4.v.re), CDU/CSU, Vorsitzender des Ausschusses des Deutschen Bundestages für Ernährung und Landwirtschaft, nimmt von der Baumkönigin des Jahres 2018, Anne Köhler, (5.v.li), den Baum des Jahres entgegen. Hier ein Gruppenfoto mit den Obleuten der Parteien. © Deutscher Bundestag Achim Melde

Alois Gerig, (4.v.re), CDU/CSU, Vorsitzender des Ausschusses des Deutschen Bundestages für Ernährung und Landwirtschaft, nimmt von der Baumkönigin des Jahres 2018, Anne Köhler, (5.v.li), den Baum des Jahres entgegen. Hier ein Gruppenfoto mit den Obleuten der Parteien.
© Deutscher Bundestag Achim Melde

Vielfalt ist ein Erfolgsrezept

von Dr. Kirsten Tackmann

Alljährlich kürt seit vielen Jahren die Dr. Silvio Wodarz – Stiftung den Baum des Jahres. Aus diesem Anlass besuchen Vertreter der Stiftung und des Bundes Deutscher Baumschulen ebenso alljährlich den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, um Exemplare dieses Baums zu übergeben für eine Botschaft in die Wahlkreise und als Kontaktpflege. In diesem Jahr fand diese Übergabe passenderweise genau am Tag des Baumes, den 25. April, statt.

Die Idee zum Baum des Jahres kommt allerdings nicht aus Europa, sondern aus Nordamerika des 19. Jahrhunderts. Der Journalist Julius Sterling Morton erreichte mit seinem Aufruf für einen „Tag des Baumes“, dass am 10. April 1872 fast eine Millionen Bäume gepflanzt wurden. Gesetzlich wurde er ab 1885, es ist Mortons Geburtstag.

Als diesjähriger und damit 30. Baum des Jahres in Deutschland wurde die Ess- oder Edelkastanie Castanea sativa ausgerufen. Nach der Fichte im vergangenen Jahr erneut nicht nur eine Überraschung, sondern eine Wahl, die spannende Diskussionen auslöst. Denn sie ist nicht nur selten, sondern eigentlich in unseren Breiten nicht heimisch. Wie übrigens auch die viel bekanntere Rosskastanie (oder Wilde Kastanie), die viele vermutlich meinen, wenn sie von „Kastanien“ sprechen und die häufig in Parks und Alleen gepflanzt sind. Überraschenderweise kam Letztere aber viel später zu uns nach Mitteleuropa als die für viele unbekanntere Ess-Kastanie, nämlich erst im 16. Jahrhundert über Diplomatengespräch. Ihr Ursprungsgebiet ist Nordamerika und Eurasien. Was sie zu einem echten Neophyten macht, eine Pflanzengruppe die alle umfasst, die erst nach der Entdeckung der so genannten Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492 in Europa präsent sind. Dagegen wurde der Baum des Jahres 2018, die Ess – Kastanie, bereits durch die Römer über die Alpen und ist zumindest in Südwestdeutschland unterdessen Teil der Kulturlandschaft, wenn auch eigentlich keine heimische Baumart. Das macht sie in mehrfacher Hinsicht waldpolitisch interessant, denn einerseits ist es eine Baumart, die auf den Klimawandel besser vorbereitet sein dürfte, als manche heimische Baumart. Und sie trägt zu größerer Vielfalt unter den Bäumen bei. Andererseits gehört die Frage, ob nur noch wirklich heimische Bäume in unseren Wäldern gepflanzt werden sollten, zu den am heißesten umkämpften Themen in der Waldpolitik überhaupt.

Die Ess – Kastanie ist aber auch aus weiteren Gründen ein sehr interessanter Baum. Denn einerseits waren ihre Früchte, „Maronen“, in den südeuropäischen Bergregionen der Ersatz für Getreide, das dort nicht oder nur mit sehr kargen Ernten angebaut werden konnte. Deshalb waren Maronen das Brot der Armen, zumal sie sehr lange lagerfähig sind. Andererseits waren sie in den nördlicheren Herrscherhäusern willkommene Delikatessen. Heute sind sie wohl vielen von Weihnachtsmärkten bekannt. Das sehr widerstandsfähige Holz der Ess – Kastanie findet sich vor allem im Weinbau, ob als Pfähle, Rankhilfen oder in den Fässern.

Die Ess – Kastanie gehört also sicher zu den heute unterschätzten Bereicherungen in Wald und Flur. Erneut eine sehr lehrreiche, Nachdenken anregende Wahl zum Baum des Jahres!