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Der internationale legale und illegale Wildtierhandel gilt als großer Risikofaktor für die globale Verbreitung von Zoonosen. Deshalb sind bundeseinheitliche gesetzliche Regelungen dringend erforderlich. DIE LINKE wird noch vor der parlamentarischen Sommerpause dem Bundestag einen Antrag vorlegen, der den Wildtierhandel endlich in notwendigem Maße sowohl arten- als auch infektionsschutzrechtlich reguliert.

Wildtierhandel: Infektionsgefahren in die gesetzliche Regulierung einbeziehen

Mit dem fortschreitenden Vordringen des Menschen in bisher nicht oder kaum berührte Lebensräume von Wildtieren steigt auch die Gefahr von Zoonosen, also Infektionskrankheiten die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden. Diese können aufgrund der globalen Personen- und Handelsströme zur globalen Gefahr werden. Jüngstes Beispiel ist das vermutlich ursprünglich von einer Fledermaus stammende Corona-Virus, das über einen bisher noch unbekannten Zwischenwirt zunächst auf den Menschen und anschließend von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Mit der Konsequenz, dass in Reaktion auf die Pandemie in vielen Ländern weltweit mit einem Lockdown Schlimmeres verhindert werden musste, aber mit bisher noch kaum absehbaren sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Nur die Natur scheint in diesen Zeiten kurz durchatmen zu können. Vor einem solchen Szenario einer Pandemie wurde aus der Wissenschaft lange gewarnt. Sie kam also alles andere als unerwartet und traf dennoch die politisch Verantwortlichen meistens schlecht oder gar nicht vorbereitet. Umso wichtiger ist, jetzt Ursachen und Folgen genau zu analysieren und Schlussfolgerungen zu ziehen, um das Risiko der Wiederholung zu minimieren, aber auch effiziente Reaktionsstrategien zu entwickeln, mit denen wirtschaftliche und soziale Konsequenzen begrenzt werden können.

Mehr als 70 Prozent aller zoonotischen Erkrankungen stammen von Wildtieren[1]. Die besondere Problematik ist dabei, dass oft die Infektionsgefahr unbekannt ist und der Krankheitserreger erst ermittelt werden muss. Über seine Eigenschaften ist länger nichts oder nur wenig bekannt, z. B. über Infektions- und Übertragungswege oder Krankheitsverläufe, so dass Risiken und Verlauf einer Epidemie oder Pandemie selten vorhersehbar sind. Diese Unvorhersehbarkeit mahnt zu besonderer Sorgfalt bei potentiellen Risiken durch den Kontakt zwischen Wildtieren und Menschen, insbesondere im Zusammenhang mit sowohl legalem als auch illegalem Handel mit Wildtieren. Dieser ist bisher leider wenig reguliert und wenn überhaupt, vor allem aus Gründen des Artenschutzes. Infektionsrisiken spielen bisher keine oder eine sehr untergeordnete Rolle, was angesichts latenter Gefahren durch Zoonosen eine erhebliche Rechtslücke darstellt, erst Recht, wenn es um tödliche Verläufe und Epidemie- oder gar Pandemiegefahren geht.

Der Handel mit exotischen Wildtieren, ob illegal auf Schwarzmärkten oder legal birgt eine oft unbekannte Gefahr. Der internationale legale und illegale Wildtierhandel gilt als großer Risikofaktor für die globale Verbreitung von Zoonosen[2]. In China wurde erst im Zuge der Covid-19-Pandemie der Handel von zum Verzehr vorgesehen Wildtieren teilweise verboten.

Wildtierhandel führt auch immer wieder zum Verlust an Biodiversität, was wiederum die Ausbreitung von gefährlichen Krankheitserregern in den verbleibenden Populationen verstärken kann. Denn durch eine abnehmende Artenvielfalt häufen sich die Kontakte innerhalb der verbliebenen Art, aber auch die Gefahr der Überschreitung der Artenbarriere, inklusive zum Menschen.

Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz wurden in Deutschland innerhalb von zwölf Monaten mehr als 2.000 verschiedene Wildtierarten (Reptilien, Amphibien und Säugetiere) online, auf Tierbörsen und in Zoofachgeschäften zum Verkauf angeboten. Dreiviertel dieser Arten unterliegen keinerlei internationalen Schutzbestimmungen und können daher legal und ohne Einschränkungen importiert und hier gehandelt werden. Dies trifft sogar auf Arten zu, die in ihrem Herkunftsland geschützt sind. Des Weiteren zeigt die Studie, dass freiwillige Maßnahmen zur Beschränkung des Handels weder ausreichen noch flächendeckend umgesetzt werden.

Deshalb sind bundeseinheitliche gesetzliche Regelungen dringend erforderlich. Dazu wird DIE LINKE noch vor der parlamentarischen Sommerpause dem Bundestag einen Antrag vorlegen, der den Wildtierhandel endlich in notwendigem Maße sowohl arten- als auch infektionsschutzrechtlich reguliert. Darüber hinaus braucht es ein Register und ein Kontrollnetzwerk, das idealerweise international agiert, um die Ausbreitung von gefährlichen Zoonoseerregern, wenn nicht zu verhindern, dann wenigstens schnell zu identifizieren, um Infektionsketten und Übertragungswege schnell zu analysieren und mit wirksamen, effizienten aber auch angemessenen Maßnahmen zu unterbrechen.

Deutschland muss seine Rolle im Kampf gegen Wildtierhandel international stärken und aus Gründen der Vorsorge notwendige Beschränkungen erlassen und ihre Kontrollen sichern, um die Gefahren für die Gesellschaft durch die Verbreitung von Zoonosen ebenso wie die mit dem Handel verbundenen erheblichen Tier- und Artenschutzprobleme abzuwenden. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken gebieten hier die nötige Sorgfalt, ohne dabei die Kultur indigener Stämme noch die Nachzucht gefährdeter Arten in Zoos zu gefährden.

Der Bedarf nach Gefangenschaftshaltung von exotischen Wildtieren jenseits des Arterhalts oder an kulinarischen Kuriositäten ist jedenfalls nicht systemrelevant. Solche Begehrlichkeiten stehen in keinem vertretbaren Verhältnis sowohl zum Tierleid, den unsachgemäße Entnahme, Transport und Haltung bei Wildfängen verursachen, noch zum potentiellen Infektionsrisiko für die Spezies Mensch, das kaum vorauszusagen ist. Daher muss der Handel mit Wildtieren streng reguliert werden.

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[1] https://www.nature.com/articles/nature06536
[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21809766