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Veranstaltungsankündigung

Eine gemeinsame Veranstaltung der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg anlässlich des 65. Jahrestages der Verkündung der Bodenreform.

Wann: 02.09.2010, 19:00 – 21:00 Uhr Wo: Bluhm´s Hotel & Restaurant, Maxim-Gorki-Straße 34, 16866 Kyritz

Über die Bedeutung der Bodeneigentumsverteilung für soziale und ökologische Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung möchten mit Ihnen diskutieren:

• Dr. Kirsten Tackmann MdB, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag • Thilo F. Papacek, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. • Dr. Michael-Egidius Luthardt MdL, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Landtag Brandenburg • Moderation: Matthias Krauss (Journalist)

Eintritt frei. Gäste sind herzlich willkommen.

Am 2. September 1945 wurde in Kyritz die Bodenreform ausgerufen. Der 65. Jahrestag dieses historischen Datums ist Ausgangspunkt, über aktuelle Bewegungen für gerechte Bodenverteilung zu diskutieren.

Die Bodenreform von 1945 war alliiertes Recht, das nahezu ausschließlich in Ostdeutschland durchgesetzt wurde. Innerhalb weniger Monate wurde der Landbesitz von knapp 12.000 Junkern und Kriegsverbrechern, aber auch Großbauern mit mehr als 100 Hektar, enteignet. 3,3 Millionen Hektar, rund ein Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Fläche der späteren DDR, wurden an 560.000 Familien verteilt. Darunter waren 91.000 Flüchtlinge und Umsiedler, die damit die Chance für einen Neuanfang nach dem verheerenden Krieg bekamen. Die Zahl der Bauernhöfe wuchs um 38 Prozent. Dabei gab es unbestritten Willkür, Denunzierungen, unnötige Härten und Ungerechtigkeiten, z. B. auch gegen verdeckte Widerstandskämpfer und ihre Familien. Aber für mehr als 2 Millionen Menschen bedeutete die Bodenreform verbesserte Lebensbedingungen. Zugleich war dies ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion im Nachkriegsgebiet.

Heute hungern weltweit eine Milliarde Menschen. Davon leben über 80 Prozent auf dem Land. Der Weltagrarbericht betonte 2008 die große Bedeutung des Zugangs der regionalen Bevölkerung zu Boden, Wasser und Saatgut im Kampf gegen den Hunger und zur Sicherung der Ernährungssouveränität in den Ländern des Südens. Ernährungssouveränität meint das Recht der Völker, auf demokratische Weise und unabhängig von internationalen Konzerninteressen ihre Ernährungspolitik selbst zu bestimmen. Nationalstaatlich steht Ernährungssouveränität für das Recht ländlicher Gemeinden und lokaler Produzenten auf Selbstbestimmung, demokratische Selbstorganisation und das Verfügen über landwirtschaftliche Produktionsmittel.

In Lateinamerika ist die Landlosenbewegung eine starke gesellschaftliche Kraft. Ihre Wurzeln liegen in Brasilien, wo 80% des Bodens 10% der Bevölkerung gehören. Die Reform-bewegungen in Lateinamerika streben die Entmachtung der Großgrundbesitzer und das autarke Wirtschaften von Groß- und Kleinbauern an.

Während des Weltsozialforums 2009 lud die Movimento dos Sem Terra (MST) gleich vier Lateinamerikanische Staatschefs mit sozialen Reformen als Regierungsprogramm zur Diskussion – Rafael Correa (Ecuador), Evo Morales (Bolivien), Fernando Lugo (Paraguay) und Hugo Chávez (Venezuela). "Wir sind dabei, die Utopie des Thomas Morus hier in der Neuen Welt umzusetzen." rief Venezuelas Präsident Hugo Chávez den Zuhörern in Belém zu. Er will die gerechte Verteilung des Bodens in weitreichendere Strukturreformen einbetten. Und Rafael Correa, Präsident Ecuadors bekennt: "Unser Alternativmodell heißt Sozialismus des 21. Jahrhunderts".

„Aber dieser Prozess verläuft nicht konfliktfrei. Kapitalistische Formen der Enteignung führen durch Landverdrängung und Vertreibung zunehmend zu neuen agrarischen Großstrukturen, die den politischen Bodenreformen entgegen wirken. Bodeneigentumsverhältnisse haben aus Sicht der LINKEn eine große strategische Bedeutung. Sie beantworten die Frage, wer über die regionale Nahrungsmittelproduktion entscheidet. Das ist nicht nur in Afrika und in Lateinamerika so. Auch eine Umverteilung ostdeutscher Äcker und Wälder in nicht-landwirtschaftliche Spekulantenhände ohne Verwurzelung in den Regionen ist eine Bedrohung für die sozial und ökologisch verantwortungsvolle Landbewirtschaftung und kann zumindest mittelfristig auch die Ernährungssouveränität in Frage stellen.“ sagt die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann.

Anhang: 100827_ankuendigung_bodenreform_2_september_kyritz.pdf