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Das Ziel ist ein erfolgreicher Waldumbau bzw. Wiederaufforstung, auch ohne Zaun. Das kann gelingen, aber in der Anhörung müssen wir ernst diskutieren, ob die vorgeschlagenen Neuregelungen geeignet sind. Gebraucht werden standortangepasste Wilddichten und kluge Jagd-Konzepte. Das setzt eine enge Zusammenarbeit vor Ort voraus, mehr Jagd- und Wildforschung und gut ausgebildetes und bezahltes Forstpersonal!

Herr Präsident! Frau Ministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es geht in der Debatte um das Ziel, zu hohe Wildbestände deutlich zu reduzieren – und das mit jagdlichen Mitteln. Ja, in vielen Regionen sind Wildbestände leider so hoch, dass junge Bäume den Schutz von Zäunen brauchen. Das ist teuer und zerschneidet Lebensräume – hat also Nachteile. Diese jungen Bäume werden aber dringend gebraucht: nicht nur für den Waldumbau,
der schneller gehen muss, sondern leider unterdessen auch für den Ersatz in Wäldern mit Sturm- oder Dürreschäden.

Zum Glück gibt es einen Konsens in der Gesellschaft und auch hier im Bundestag, nämlich dass wir unseren Kindern gesunde und zukunftsfähige Wälder hinterlassen müssen.

(Beifall bei der LINKEN)

Gerade unserem Land wird ja auch ein geradezu mystisches Verhältnis zum Wald nachgesagt, was es übrigens umso absurder macht, dass noch immer Wälder für Tagebaue oder Autobahnen gerodet werden.

(Beifall der Abg. Simone Barrientos [DIE LINKE])

Es ist unstrittig, dass Wildbestände vielerorts reduziert werden müssen. Dabei geht es auch nicht nur um Forstinteressen. Als Veterinär Epidemiologin warne ich seit vielen Jahren vor dem hohen Risiko historisch hoher Schwarzwildbestände im Zusammenhang mit Afrikanischer Schweinepest. Gleichzeitig sind die Ursachen hoher Wildbestände aber sehr vielfältig. Gerade als Tierärztin muss ich vor dem ganzen großen Halali trotzdem daran erinnern: Auch Wildtiere sind Lebewesen, und sie gehören zum Ökosystem Wald.

(Beifall bei der LINKEN)

Sie dürfen nicht auf Forstschädlinge reduziert werden! Also nicht Wald vor Wild – das ist hier schon mehrfach gesagt worden –, sondern Wald und bzw. mit Wild; darum geht es. Die Zweifel, ob die Neuregelungen erforderlich, geeignet und verhältnismäßig sind, müssen wir deshalb – aus meiner Sicht jedenfalls – in der Anhörung noch mal sehr
ernsthaft diskutieren.

Es gibt aber sehr gute Beispiele, wie Wald mit Wild gelingen kann. Von diesen Erfahrungen müssen wir dringend lernen. Das Ziel ist klar: Waldumbau und Wiederaufforstung müssen erfolgreich sein, und zwar möglichst ohne Zäune. Ja, dazu werden standortangepasste Wilddichten gebraucht, und kluge Jagdkonzepte gehören unbedingt dazu.

Gelingen kann das aber nur in enger Zusammenarbeit vor Ort: zwischen Landbesitzenden, der Land- und Forstwirtschaft, der Jägerschaft und den Behörden. Die Debatte wäre aus meiner Sicht sehr viel leichter, wenn es ein gesellschaftlich anerkanntes Leitbild Jagd gäbe. Denn bei der Frage nach der Aufgabe von Jagd und ihren erlaubten Handlungsspielräumen ist ein sehr, sehr breites Meinungsspektrum festzustellen.

In der Waldstrategie 2020 hatte die damalige Bundesministerin Frau Aigner ein solches Leitbild Jagd angekündigt. Das war sehr mutig, und ich war schon sehr neugierig auf die sicherlich sehr spannungsgeladene Debatte; nur hat sie eben nicht stattgefunden – leider. Aus linker Sicht muss Jagd als Gemeinwohlaufgabe im Ökosystem Wald definiert werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Und: Jagdausübung darf kein Privileg elitärer Geldbeutel sein, sondern muss auf der Leidenschaft für einen gesunden, standortangepassten Wildbestand beruhen. Außerdem wird zur Konfliktlösung mehr Jagd- und Wildforschung gebraucht, genauso wie gut ausgebildetes und gut bezahltes Personal im Wald. Nur allein mehr Jagd wird das Problem nicht lösen. Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)

Hier die gesamte Debatte.