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DIE LINKE fordert eine gesetzliche Grundlage zur konsequenten Überwindung der Lohndiskriminierung von Frauen.

Man(n) stelle sich vor, er müsse viele Wochen länger zu arbeiten, um auf denselben Jahreslohn zu kommen wie der Kollege, der eine gleichwertige Arbeit erledigt. Was unter Männern kaum denkbar ist, wird bei Frauen noch immer mehr oder weniger bedauernd hingenommen. Im Jahr 2013 mussten Frauen in unserem Land im Durchschnitt bis zum 21. März 2013 arbeiten, um bei gleichwertiger Arbeit auf die gleiche Lohnsumme zu kommen wie ihre männlichen Kollegen bereits am 31. Dezember 2012.

Diese skandalöse Entgeltdiskriminierung von Frauen wird seit Jahren am Equal Pay Day thematisiert, leider ohne wirklichen Fortschritt. Aber sie ist kein privates, sondern ein gesellschaftliches Problem. Hier ist die Politik gefordert, die Vorschläge liegen längst auf dem Tisch des Bundestags. Die konsequentesten kommen von der LINKEN, die Forderungen der verschiedenen Interessensverbände und -vereinigungen von Frauen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik aufgreifen. In der Wahlperiode neu, nachdem die freiwillige Verpflichtung der Wirtschaft, auf die sich die rot-grüne Bundesregierung eingelassen hatte, längst gescheitert ist.

Schauen wir uns ein paar Zahlen genauer an:

Der Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland beträgt durchschnittlich 22 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt die Lohnlücke in der gesamten EU im Schnitt 16,2 Prozent. Damit stehen wir weiter an einer der letzten Stellen in Europa, nach Österreich und Estland.

In ländlichen Regionen steigt der Lohnabstand auf mehr als 30 Prozent.

Auch mit dem Lebensalter vergrößert er sich: bei 24jährigen beträgt er nur zwei Prozent, bei 25 bis 34jährigen schon elf Prozent. Bei den 35 bis 44jährigen vergrößert er sich auf 24 Prozent und bei den 55 bis 64jährigen erreicht er mit 28 Prozent den höchsten Wert.

So kamen 2012 die Männer im Mittel auf 19,60 Euro Brutto pro Stunde, die Frauen dagegen erhielten nur 15,21 Euro.

Etwa ein Fünftel der Lohnlücke wird durch die geringe Entlohnung in Branchen, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, z. B. Dienstleistungsberufe verursacht. Das hat System: soziale Kompetenz wird bei Frauen als „angeboren“ kaum bezahlt, während Managerfähigkeiten als hochbezahlte Qualifikation gelten. Hinzu kommt die oft durch Lebensumstände erzwungene Teilzeit bei Frauen. Und die wenigen Frauen, die es in Führungspositionen geschafft haben bekommen ein Drittel weniger Geld.

Meine Fraktionskollegin Cornelia Möhring beschreibt in ihrer Presseerklärung zum Equal Pay Day diese Folgen: eine Großhandelskauffrau bekommt pro Monat 564 Euro weniger als ihr männlicher Kollege. In 40 Berufsjahren ist das ein rechnerischer Verlust von 271.000 Euro. Einer Köchin gehen in dieser Zeit 100 000 Euro und einer Ärztin 441.000 Euro gegenüber den Kollegen verloren. Das sind keine kleinen Vermögen – und Lohnraub kein Kavaliersdelikt!

Als LINKE finde ich es unerträglich, wenn erwerbstätige Frauen noch öfter als Männer nicht von ihrer Arbeit leben können!

Auch deshalb fordern wir seit Langem einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. 2005 war das noch ein Alleinstellungsmerkmal im Bundestagswahlkampf. Mittlerweile ist die Forderung hoffähig geworden und andere Fraktionen haben sie längst als Wahlkampfthema für sich entdeckt.

Wir fordern, Frauen eine Vollzeitarbeit zu ermöglichen. Dazu werden zum Beispiel Kinderbetreuungsplätze gebraucht. Das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden. Entgeltgleichheit muss gesetzlich verpflichtend und im Tarifvertragsgesetz verankert werden. Wir brauchen ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und die Einführung eines Verbandsklagerechtes. Die Forderungen existieren nicht erst seit gestern. DIE LINKE ist beim Thema Entgeltgleichheit konsequente Vorreiterin. Zum Beispiel  mit den Anträgen „Entgeltgleichheit zwischen den Geschlechtern wirksam durchsetzen“ (DS 17/891) oder „Geschlechtergerechte Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft“ (DS 17/4842)

Thema des diesjährigen Equal Pay Days waren Gesundheitsberufe. Diese sogenannten sekundären Dienstleistungsberufe verlangen nach qualifizierten Fachkräften, entlohnen sie aber niedrig. 80 Prozent sind Frauen.

Für die Landwirtschaft erfasst das Statistische Bundesamt nicht einmal den Anteil der Frauen die voll- oder teilzeitbeschäftigt sind. Das ist aber dringend erforderlich zur politischen Bewertung der sozialen Situation von Frauen in der Landwirtschaft.

In ländlichen Regionen wie in meinem Heimatwahlkreis verschärft sich das Problem. Weil existenzsichernde Arbeitsplätze fehlen und die Rahmenbedingungen für erwerbstätige Frauen schlechter sind. Fehlende Kita-Plätze, vor allem im Westen, schwierig erreichbare Gesundheitsversorgung, fehlende Verkehrsanbindung erzwungen noch häufiger Teilzeit, um die Defizite in der öffentlichen Daseinsvorsorge privat auszugleichen

DIE LINKE fordert deshalb eine gesetzliche Grundlage zur konsequenten Überwindung der Lohndiskriminierung von Frauen und eine öffentliche Daseinsvorsorge, die Lebensqualität auch in den ländlichen Regionen sichert.

P.S.  Übrigens meldete Spiegel Online am 21. März, dass der Tag wohl falsch errechnet wurde. Laut der der Deutschen Mathematiker Vereinigung (DMV) ist der tatsächliche Equal Pay Day in Deutschland am 12. oder 13. April. Das wäre also noch viel skandalöser.