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Der erste Aufschlag der „Werkstatt zur LINKEN Energiewende: sozial, demokratisch, ökologisch“ lieferte nicht nur äußerst interessante Referate – sondern auch lebhafte Debatten. Der Einladug der Rosa Luxemburg Stiftung Brandenburg e.V. und Dr. Kirsten Tackmann, MdB folgten interessierte Bürgerinnen und Bürger, Akteure aus Politik, der Verwaltung und aus der Branche der Erneuerbaren Energien.

Pritzwalk, 21. Mai 2013: Nach der Begrüßung der beiden Einladenden Dr. Detlef Nakath, Rosa-Luxemburg Stiftung Brandenburg („Die Energiewende hat längst begonnen“) und Dr. Kirsten Tackmann, MdB („Die Energiewende muss Energiewende von unten werden“) ging es gleich zur Sache.


1. Energiegenossenschaften: Bioenergiedörfer – funktioniert das?
Bertold Meyer vom Bioenergiedorfcoaching, Akademie für nachhaltige Entwickung berichtete über die Erfahrungen in Mecklenburg Vorpommern. Eindringlich trug er die Chancen vor, die Bioernergiedörfer für die ländlichen Räume im Verbund mit den Städten haben. Ein Bioenergiedorf  generiert zu 100 Prozent eigene Strom- und 75 Prozent eigene Wärmeversorgung. Meyer weiter: „Das ist eine der letzten Chancen für den ländlichen Raum, Mittel zu generieren. Wir haben für Dörfer keine anderen Konzepte – aber wir müssen wirtschaftliche Konzepte haben.“ Regionale Produzenten und Anbieter von bezahlbarer Energie wie Strom und Wärme – da stecke ein  hohes politische Potential durch Bürgerbeteiligung drin. Das sei Energiewende von unten. Das werte ländliche Räume auf. Das müsse genutzt werden.
„Wenn die Potentiale vertan  und die Leute nicht beteiligt werden, kriegen wir Stuttgart 21 auf dem Acker“, so Meyer.

Andrea-Liane Spangenberg vom Energiedorfcoaching Brandenburg e.V. trug die Erfahrungen für Brandenburg vor. Und die waren für sie als Coach frustrierend. Verwaltung und Bürger_innen bilden keine Einheit. „Wir haben es in Brandenburg mit einer Top-Down Situation zu tun. Es werden keine NGOs am Prozess beteiligt. Viele Gemeinden fühlen sich im Stich gelassen. Ich habe oft von den Bürgerinnen und Bürgern, die für ein Energiedorf arbeiten gehört, ‚ein Händeschütteln reicht uns nicht.“, so Spangenberg. Die Flut  behördlicher Auflagen bremse Initiativen aus und erschwere die Arbeit,  Arbeit, die  oft ein 24h-Ehrenamtsjob sei. Spangenberg appellierte an die anwesenden Politiker_innen, dafür zu arbeiten die politischen Rahmenbedingungen im Land Brandenburg zu verändern.

Solange werde sie weiter arbeiten – ob mit oder ohne das Land -, Machbarkeitsstudien für die Dörfer und Gemeinden erstellen, motivieren und beraten. Dazu gehöre auch das ein Mal im Monat stattfindende Protagonistentreffen und die Informationsabende für die, die Bioenergiedorf werden wollen.

In der nachfolgenden Diskussion wurde sie von Helfried Schreiber aus Neustadt/ Glewe, Handwerker und ehemaliger Bürgermeister bestätigt: „In Brandenburg  ist nicht der Bürger, sondern Politik und Verwaltung das Problem. Bis jetzt erlebe ich Behinderung.“

Mignon Schwenk, MdL Mecklenburg-Vorpommern sieht ihre Aufgabe als LINKE, die bestehenden Projekte zu unterstützen.

Und Bertold Meyer ermutigte noch einmal, ungewöhnliche und findige Wege zu gehen und berichtete vom Projekt „Röbel 55+,“ wo sich Ältere noch einmal kleinere Häuser bauen und sich in Röbel ansiedeln. „Ich sage mal Eigenheim, statt Altersheim.“ (Meyer) Die Menschen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen würden ganze Netzwerke aus ihrem bisherigen Leben mitbringen. Das sei eine ungeheure Bereicherung für die Region.

2. Kommunale Mitsprache und regionale Wertschöpfung
Holger Kippenhahn, Bürgermeister in Heiligengrabe berichtete davon wie seine Gemeinde mit der Energiewende umgeht, denn – so Kippenhahn – „die Energiewende läuft bereits und nun geht es darum die Vorgaben des Bundes und Landes sinnvoll umzusetzen.“ Heiligengrabe hat sich sehr zeitig mit den Themen beschäftigt und sich im Vorfeld eigene Beschlüsse abverlangt. Beschlüsse und Stellungnahmen, in denen Kriterien festgelegt wurden, nach denen Flächen vergeben werden können. Wenn die Planungsgemeinschaft nun einen Planentwurf vorlege, ist die Gemeinde  vorbereitet und kann planvoll reagieren. Beispiel Windkraft: So ist die Hohe Heide aufgrund des Vogelbestandes, den die Gemeinde durch einen Ornitologen festellen liess, ungeeignet für Windkraftanlagen. Einige Flächen um die A24 dagegen schon und wurden von der Gemeinde als vorrangig geeignet charakterisiert.

 

Auch nach Holger Kippenhahns Referat gab es  rege Diskussion und die Überlegung, wie man die Bürgerinnen und Bürger einbinden könnte, und zwar so, dass man „Menschen, die kein Geld haben, teilhaben lassen kann aber auch die, die Geld haben einbindet“, so Meyer von der Akademie für nachhaltige Entwickung. Sie würden gerade über eine Wettbewerbsausschreibung über „beste Teilhabeprojekte der Windparkplaner“ nachdenken. „Wir brauchen intelligente Finanzer.“ Meyer weiter: „Die Energie der Zukunft wächst bei uns und das sollen wir nicht verdienen, das will ich einfach nicht verstehen.“

3. Block Stand in Sachen Biogas – Alternativen zum Mais
Da der geplante Referent leider absagen musste, improvisierte Dr. Kirsten Tackmann, natürlich gut vorbereitet u.a. durch ein Expertengespräch, dass sie vor einer Woche mit Dr. Michael Glemnitz, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. im Bundestag führte und machte den Aufschlag, indem sie zum Stand der Dinge und die möglichen Alternativen zum Mais, deren Vor- und Nachteile berichtete.


Schon zu Beginn ihres Vortrages hielt die agrarpolitische Sprecherin fest, Biogas gehöre in den regionalen Mix. Biogas sei vernünftig speicherbar und so zumindest eine Brücke in das neue Energiezeitalter. Nachdem Tackmann die Kriterien für Energiepflanzen darstellte, kam sie zur Maisproduktion, die für DIE LINKE ganz klar die in Hand des Landwirtes gehört. Die Landwirt_innen dürfen nicht nur Rohstofflieferanten für Energieproduzenten sein. Dann stellte Tackmann die verschiedenen Möglichkeiten, die Dominanz des Maises aufzuheben dar. Es gibt errtragsreiche Alternativen, wo vielfältige Fruchtfolgen hergestellt werden können wie die Luzerne. Es gibt die Hirse, die wie der Mais eine C4 Pflanze ist aber die auch Nachteile wie hohes Wachstum birgt. Und es gibt für die Maisbauern die Möglichkeit Blühstreifen anzulegen, um die negative Auswirkungen des Maisanbaus zu  kompensieren. Blühstreifen bieten Lebensraum für Insekten, verhindern Bodenabtrag und bereichern das Landschaftsbild.
„Die Zahl der Biogasanlagen wird nicht mehr signifikant steigen“, so Tackmann zum Schluss. „Es geht um ökologische Qualifizierung des Konzepts Biogas. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass die Alternativen zum Mais besser akzeptiert werden. Hier braucht es auch unabhängige Beratung.“

In ihrem Schlussplädoyer äusserte Andrea-Liane Spangenberg noch einmal die Hoffnung, dass die Politik die Dörfer für wichtig hält. Es geht bei der Energiewende um einen Paradigmenwechsel, bei dem man nicht mehr nicht auf große Kraftwerke, sondern auf die Bürgerinnen und Bürger setzt. Bertold Meyer bezeichnete den gesellschaftlichen Wandel als Kulturwandel. Erfolgreich ist die Energiewende, wenn die Verantwortung des Einzelnen bewusster geändert wird. Das sei auch Frage der Bildung, denn es geht auch um die  nächsten Generationen. Holger Kippenhahn hielt fest, dass auch wenn Demokratie mühsam sei, man  weitermachen müsse

Dr. Kirsten Tackmann hat diese erste Energiewerkstatt bestärkt, weitere Veranstaltungen zum Thema folgen zu lassen. Die Energiewende muss zu einem gesellschaftlichen Umbruch führen, bei dem  Verwaltung, Menschen und diverse Politiker_innen zusammen kommen. Die Politik  müsse die agierenden Subjekte erreichen. Da könne DIE LINKE eine wichtige Rolle spielen. (Im übrigen gäbe es ohne DIE LINKE in Brandenburg keine Bioenergiedörfer im Brandenburger Koalitionsvertrag).

Also WEITERMACHEN!

 

Lesen Sie  die Vorträge und Präsentationen: