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Der Vortrag Dr. Kirsten Tackmanns zum 19. Landschaftstag: „Brauchen wir einen Plan B für die Landwirtschaft“


„Brauchen wir einen Plan B für die Landwirtschaft“

Rolle einheimischer Landwirtschaftsbetriebe – idealisiert?

  • Sicherung der Versorgung mit bezahlbaren Lebensmitteln und Energie
  • Gut bezahlte Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen
  • Pflege und Erhalt der Agrar-/Kulturlandschaft
  • Naturerhalt
    • Boden, Wasser, Luft
    • biologische Vielfalt auf und neben dem Acker und im Stall
    • genetische Vielfalt

Probleme in der Landwirtschaft -> viele bereit zur Veränderung

  • beziehe mich vor allem auf Situation in Brandenburg ostdeutsche Spezifika
  • viele Problemlage für konventionelle und Ökobetriebe ähnlich (außer bessere Ökobilanz)
  • Hoher ökonomischer Druck auf Erzeugerbetriebe durch vor- und nachgelagerten Bereich
  • Lebensmittelproduktion zu möglichst niedrigen Kosten
  • Exportorientierung, Globalisierung
    • „Ernte bleibt an Rädern hängen“
    • Dumpingpreise Weltmarkt und LEH (Kartell!!) -> große Schwankungen der Preise unabhängig von Erzeugungskosten
    • Niedrige landwirtschaftliche Einkommen -> 60% der Einkommen Industrie, 30-50% aus öffentlicher Förderung (Gemeinsame EU-Agrarpolitik)
    • Tierschutz – Kükentötung
    • Lebensmittelverschwendung
  • Kaum regulierter Börsenhandel mit Agrarrohstoffen
  • Wenig regionale Verarbeitung, wenig regionale Vermarktung – trotz Zentraldorf Berlin
  • Wenig regionale Wertschöpfung
  • Bodeneigentum
    • zunehmend entkoppelt von Dorf und Nutzung
    • Ostdeutsche Bodenreform vor 70 Jahren – breite Streuung des Bodeneigentums in den Händen der Bevölkerung in ländlichen Räumen -> sogar Vererbbarkeit begrenzt auf Bewirtschafter ab den 1970er Jahren
    • Heute: trotz Grundstücksverkehrsgesetze Boden zunehmend eine Ware auf wenig reguliertem Markt
    • Konzentration in immer weniger und immer landwirtschafts- und dorffremdere Hände ->
    • Ab 2007 explodierende Bodenkauf- und Pachtpreise – BVVG
    • zunehmend landwirtschaftsfremdes –Agrarholdings, Kapitalgesellschaften
    • Hoher Kostenfaktor
    • Schwer zugänglich für neue, insbesondere alternative Bewirtschaftsformen; inkl. Öko
  • Wachsende Nutzungskonkurrenz – EEG, Siedlungs- und Straßenbau
  • Falsche Anreize EU-Agrarförderung (Nebenwirkungen der im Grundsatz richtigen Änderung 2005 von Produktions- zur Flächenförderung, aber in DE Dogma):
    • Nur noch wenige, profitable Ackerkulturen – Mais
    • Grünlandverluste – wenig Weidenutzung!
    • Verluste von Strukturen auf und neben dem Acker
    • Acker-, Gewässer- und Waldränder oder Wege verschwinden
    • Verluste biologische Vielfalt – Lerchen, Insekten
    • Tendenz zu Spezialisierung – Marktfrucht, landwirtschaftliche Tierhaltung Verlierer der deutschen Umsetzung der EU-Agrarpolitik
  • Schweine- und Geflügelhaltung häufig gewerblich
    • Hohe Konzentrationen am Standort und in bestimmten Regionen
    • Entsorgungsprobleme Gülle, Stickstoffeinträge
  • Verengung der genetischen Vielfalt bei Ackerkulturen und bei Nutztieren
  • Futterimporte
  • Pflanzenschutz – Glyphosat – Mähdrescher – Optimierung mittels Vorerntebehandlung („Sikkation“)
  • GVO, Saatgutpatente
  • Sektorale Förderung Landwirtschaft/ländliche Räume

Wie kann gesichert werden, dass Lebensmittel nachhaltig erzeugt, fair bezahlt und bezahlbar werden? 

LINKEr Plan B – sozial-ökologischer Umbau der Gesellschaft

Landwirtschaft: Wochenmarkt statt Weltmarkt

  • LEH entmachten
    • Gewinne gerechter in Wertschöpfungskette verteilen
    • höhere Kosten für nachhaltige Produktion verteilen – Lebensmittel bezahlbar
  • Landwirtschaft wieder auf eine Versorgungsfunktion mit Lebensmitteln und Energie zurückführen
    • Gemeinwohlorientierung
    • Bedarfsorientierte Produktion
    • Mehr regionale Verarbeitung und Vermarktung – gilt auch für auch Öko, heißt aber nicht Autarkie!
    • Kennzeichnung wahr und klar
  • Boden
    • Boden: Charakter einer Almende wie Wasser, Luft
    • Kompromiss: breit gestreutes, regional verwurzeltes Bodeneigentum -> Teilhabe
    • Keine Bodenprivatisierung -> gesellschaftliche Kontrolle
    • Kein landwirtschaftsfremdes Kapital!
    • Erhalt der Flächen und nachhaltige Bewirtschaftung
  • Ortsansässige, multifunktionale Agrarbetriebe fördern
    • Regional verankert – Ausbildung
    • Entscheider vor Ort
    • gemeinsame Bewirtschaftung – Genossenschaften
    • Tier- und Pflanzenproduktion, Regionalvermarktung
    • Gut bezahlte Arbeit – Mindestlohn
    • Ökolandbau
  • Tierhaltung
    • Flächengebunden
    • Landwirtschaftlich – Futtermittel aus eigener Produktion, regionale Stoffkreisläufe
    • Deckelung der Bestandsgrößen am Standort und in der Region
    • Zweinutzungsrassen
    • Landschaftspflege mit Weidehaltung
    • Erhalt alter Nutztierrasse und Pflanzensorten
  • Nachhaltige Flächenbewirtschaftung
    • Bodenschutz – Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffbilanz, Bodenerosion, Bodenverdichtung
    • Fruchtfolgen – inkl. Eiweißfutterstrategie, alternative Biogaspflanzen
    • Grünlanderhalt – braucht aber auch Nutzung – Weidetiere!
    • Vielfalt der Ackerkulturen – Biogas!
    • insektenfreundliche Landwirtschaft
    • Struktur auf dem Acker – Ackerrand-, Waldrand- und Uferrandstreifengestaltung
    • Keine Sikkation
    • Verzicht auf insektizid- und herbizidresistente Pflanzen, egal ob GVO oder anderem Weg erzeugt
  • Integration des Biomasseanbaus/nachwachsenden Rohstoffe in eine nachhaltige Flächennutzung
  • Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen flächenschonender und zielorientierter
  • Landwirtschaft zusammenbringen mit Bevölkerung
    • Wege
    • Tätige Hilfe

Wie kommt man dahin?

  • Faire Marktordnung
    • Kartellrecht verschärfen
    • Verbot Spekulation mit Boden und Lebensmitteln
    • Sozial-ökologische, Tierschutz- Standards
    • Faire Erzeugerpreise
    • Bezahlbare Lebensmittelpreise
    • Verbot Sonderangebote, Kontrolle Verkaufsverbot unter Einstandspreis
    • Zugang für regional erzeugte Lebensmittel im Einzelhandel und Gastronomie
    • Kennzeichnung
    • Reduzierung Lebensmittelverschwendung
  • Bodenpolitik:
    • Sicherung breite Verteilung Bodeneigentum – Transparenz, nur natürliche Personen? Obergrenze? Progressive Grunderwerbssteuer?
    • öffentlicher Bodenfond, Moratorium BVVG
    • Flächenerhaltungsgebot
    • Anteilskäufe unter Genehmigungsvorbehalt
    • Preise refinanzierbar durch Landwirtschaft
    • Agrarstrukturgesetz
    • Verbesserung Genossenschaftsrecht – demokratische Bewirtschaftungsform
  • Gemeinwohlorientierte EU-Agrarförderung
    • Exportorientierung beenden – indirekte Förderung
    • Öffentliches Geld für öffentliche Leistung – ÖVF, Fruchtfolgen, Tierschutz, AUM, Arbeitsplätze, Einkommen, Grünlanderhalt, Verknüpfung Landwirtschaft und Dorfförderung, ländlicher Tourismus
    • Ausschluss landwirtschaftsfremder Investoren
    • Keine Nutzungskonkurrenzen fördern
    • Ökolandbau
    • In Ausnahmen benachteiligte, gesellschaftlich gewollte Produktion koppeln – Weidetierprämie
  • Ordnungsrecht
    • Verbot der Spekulation mit Boden und Agrarrohstoffen
    • Flächenerhaltungsgebot – beschränken der Privilegierung von Landeigentümer und Investoren, wenn regionale Interessen betroffen sind
    • Tiergesundheit – Antibiotikareduktion
    • Deckelung Tierbestände
    • Gute fachliche Praxis verbindlich festschreiben
    • Qualifiziertes, vorsorgeorientiertes Zulassungverfahren insektizid/herbizidresistente Pflanzen
    • Bundesweites GVO-Verbot
    • Verbot der Sikkation
    • Keine grundsätzliche Korrektur der EU-Öko-Verordnung vom Prozessstandard zum Produktstandard
    • Düngerecht, Gewässerschutz
  • Agrarwirtschaftsinitiative zur Förderung der regionalen Verarbeitung und Vermarktung
  • Herdenschutzkompetenzzentrum
  • TTIP verhindern
  • Agrarforschung – sind vom Mutterland abgestiegen
  • Berufsgenossenschaft solidarischer gestalten