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Agroforstwirtschaft ist eine Form der Landnutzung, bei denen Gehölze mit Acker- oder Grünlandnutzung sowie Tierhaltung auf derselben Fläche kombiniert werden. Scheint unkompliziert. Aber weil in der Fördersystematik eine solche gleichzeitig Nutzung nicht vorgesehen ist und die Gräben in Deutschland zwischen Land- und Forstwirtschaft tief sind und schwer zu überwinden, wird es dann doch kompliziert. Manchmal wird es aber auch einfach nur kompliziert gemacht.

Gleichzeitig bieten Agroforstsysteme aber ein großes Potenzial für mehr Klima-, Boden- und Gewässerschutz und biologische Vielfalt. Dabei sind Agroforstsysteme keine neuartige Erfindung und gehören im globalen Süden noch immer zu den traditionellen Anbausystemen. In Mitteleuropa sind deren Relikte aus dem Mittelalter oft auf Streuobstwiesen beschränkt, während in Südeuropa z. B. silvio-pastorale Agroforstsysteme (so genannte Waldweidewirtschaft) in Form der Schweinemast unter den Korkeichen noch erhalten sind.

In den vergangenen Monaten ist das Thema Agroforst vermehrt in diversen internationalen Berichten als eine Möglichkeit zur Flächennutzung im Interesse der Umwelt und für mehr regionale Wertschöpfung genannt worden. Der von der EU-Kommission vorgeschlagenen „Green Deal“ benennt Agroforst als zweckdienliche Anbaupraxis zur Erreichung des Seitens der EU angestrebten Ziel einer stärkeren Ökologisierung der Agrarwirtschaft. Der IPCC-Sonderbericht aus dem Jahr 2019 zur Landnutzung bezeichnet Agroforst als geeignete und kostengünstige Maßnahme unter anderem für mehr Klimaschutz, Klimaanpassung und Ernährungssicherheit. Selbst das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung hebt Agroforst als förderwürdige Maßnahme zum Humuserhalt und -aufbau im Ackerland hervor.

Aber aus den Empfehlungen müssen nun Taten folgen. Daher hat die Linksfraktion im Bundestag einen Antrag in das parlamentarische Verfahren eingebracht zur Unterstützung von Agroforstsystemen („Agroforstwirtschaft möglich machen“ (19/14374)). Dieser Antrag war auch Anlass für ein nicht öffentliches Fachgespräch im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft am 9. März 2020, das DIE LINKE initiiert hat. Insgesamt fünf Sachverständige, darunter ein Landwirt und vier Wissenschaftler, haben in diesem Fachgespräch die Potentiale solcher Systeme, ihre Erfahrungen sowie aktuelle Hindernisse in der Umsetzung deutlich benannt. Eine der größten Probleme ist weiterhin die fehlende rechtlich, verbindliche Definition von Agroforstsystemen. Das hat zur Folge, das Landbewirtschaftende keine Nutzungs- und Rückwandlungsgarantie besitzen, wenn sie solche Systeme in ihren Betrieb integrieren. Heißt, die Anlage von Gehölz- oder Baumstreifen könnte dazu führen, dass die betreffende Fläche ihren Status als landwirtschaftlich genutzte Fläche verliert. Das wollen viele Flächenbesitzende nicht und das können auch Gesellschafter und Gesetzgeber nicht wollen. Die Anlage von Agroforstsystemen findet deshalb, wenn überhaupt, mangels geeigneter Pachtverträge auf eigenen Flächen und in beschränktem Umfang statt. Bei Etablierung auf Pachtflächen sind die Verpächter darüber zu informieren und deren Einwilligung ist erforderlich. Auch das ist bisher ein Hinderungsgrund für Willige. Deshalb geht es politisch vor allem um das Ermöglichen von Agroforstflächen. Das haben auch die Sachverständigen mehrmals betont. Interessierte Agrarbetriebe sollen es in Zukunft leichter haben, solche Systeme in ihr Betriebskonzept zu integrieren.

Thomas Domin, Landwirt und Anwender von Agroforstsystemen, hat als Sachverständiger in dem Fachgespräch deutlich gemacht, das er nur diesen Weg gegangen ist, weil er Teil eines Forschungsprojektes war. Sonst wäre er nie auf die Idee gekommen. Mittlerweile ist er aus eigenen Erfahrungen überzeugter Anhänger von Agroforstsystemen auf landwirtschaftlichen Flächen und stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes von Agroforstwirtschaft (DeFAF), der sich 2019 gegründet hat. Bereits im Sommer 2019 haben wir im Rahmen der LINKEN „Agrardialog-Tour“ seinen Landwirtschaftsbetrieb in Peickwitz bei Senftenberg kennengelernt und waren sehr beeindruckt.

Gemeinsam mit den entsprechenden Akteurinnen und Akteuren sowie Landesregierungen und der  Bundesregierung müssen jetzt unverzüglich die förder- und ordnungsrechtlichen Hemmnisse abgebaut werden, damit die Bremse für Agroforstsysteme so schnell wie möglich gelöst wird, denn sie sind Teil der Lösung so vieler Probleme in der Landwirtschaft. Sie können zum Erreichen gesellschaftlicher Ziele beitragen, aber auch zur betriebswirtschaftlichen Stabilisierung der Agrarbetriebe in Zeiten des beginnenden Klimawandels. Als LINKE sind wir gern Motoren im Interesse einer multifunktionalen Landbewirtschaftung.